Freitag, 19. Juni 2015

Rezension - Annäherung - Notizen aus 14 Ländern


Autor: Eugen Ruge

Titel: Annäherung - Notizen aus 14 Ländern

Genre: Reise

Version: eBook und gebundene Ausgabe

erschienen: 30. Mai 2015

Seiten: 192

Altersempfehlung: Erwachsene

Verlag: Rowohlt


Der Autor Eugen Ruge, 1954 in Soswa (Ural) geboren, studierte Mathematik an der Humboldt-Universität und wurde wissenschaftlicher Mitarbeiter am Zentralinstitut für Physik der Erde. 1988 ging er aus der DDR in den Westen, wo er hauptberuflich als Autor fürs Theater und für den Rundfunk sowie als Übersetzer zu arbeiten begann. Für seine dramatischen Arbeiten erhielt Eugen Ruge den Schiller-Förderpreis des Landes Baden-Württemberg; 2009 wurde sein erstes Prosamanuskript «In Zeiten des abnehmenden Lichts» mit dem Alfred-Döblin-Preis ausgezeichnet; für den daraus entstandenen Roman erhielt er den Aspekte-Literaturpreis und den Deutschen Buchpreis 2011. 2013 erschien sein zweiter Roman «Cabo de Gata», 2015 kamen die «Theaterstücke» und ein Band Reisenotizen unter dem Titel «Annäherung» heraus.

Kurzbeschreibung, übernommen:
«Wunderland – das war China für mich, als mein Vater 1960 von dort zurückkam und seine farbigen Dias zeigte: vergoldete Drachen. Fahrradarmeen. Menschen, die in drei Minuten irrwitzige Scherenschnitte herstellen oder aus einem Stück Seife und nur mit Hilfe eines Kamms ein wunderbares, feingliedriges Püppchen. Dass China nicht mehr dasselbe ist, das mein Vater vor einem halben Jahrhundert bereiste, ist mir bewusst. dennoch erwarte ich so etwas wie einen Kulturschock, der dann auch eintritt, allerdings umgekehrt. Das Schockierende an Schanghai ist, wie wenig sich China hier vom Westen, genauer: von Amerika unterscheidet.»
Ob im Baltikum, auf Kuba, in Griechenland, Ungarn oder - ein halbes Jahrhundert nach dem eigenen Vater - auf dem Weg von Nanking nach Schanghai: Eugen Ruge ist um kein klares Wort verlegen, aber immer bereit, Erwartungen mit Erfahrungen zu vertauschen. Er bereist Russland, die USA, Mexiko zunächst auf den Spuren der eigenen Familiengeschichte, im Rahmen seiner Recherchen für den noch im Entstehen begriffenen ersten Roman. Mit dem literarischen Durchbruch und dem internationalen Interesse beginnt ein neues Kapitel. Und doch bleibt der Reisende sich treu, betrachtet Menschen, Sitten, Landschaften mit unabhängiger Anteilnahme und kritischem Humor. Seine Reisen sind, was sie waren: Annäherungen. Erkundungen.

Meine Meinung:
Ich muss gestehen, dass ich bis jetzt noch kein Buch von Eugen Ruge gelesen hatte. Aber nachdem ich dieses gelesen habe, könnten weitere folgen.
Eugen Ruge hat in einem ganz besonderen Stil über seine Reiseerlebnisse berichtet. Beginnend im Juli 2005 mit einer Reise nach Russland und endent im Oktober 2013 in den USA. Die ersten Reisen dienen der Recherche zu seinem Buch "In Zeiten des abnehmenden Lichts" und die späteren zur Vorstellung seine Buches. Meist wird er von den Goethe-Instituten eingeladen. Es erklärt sich von selbst, dass er bei diesen Reisen anderes kennen lernt und erlebt, als wären es reine Urlaubsreisen.
Interessant finde ich, wenn er die Orte aufsucht, wo Familienmitglieder gelebt haben oder wie sein Vater 1960 von China berichtet und er als Sohn dies Jahrzehnte später ebenfalls sieht.
Während ich lese, vergesse ich manchmal die Informationen, die zu dem Buch gehören. So fiel mir natürlich der besondere Schreibstil auf. Mal kurze Sätze, mal Stichworte, mal ausführlich und dann fiel es mir wieder ein. Ich war ja dabei "Notizen" zu lesen und genauso hat der Autor auch alles wieder gegeben. Amüsiert habe ich mich über die Länge des Kapitels der Parisreise. Für einen Aufenthalt von drei Tagen gab es nur eine halbe Seite. lach, das wäre mir nicht passiert, selbst über einen Tag hätte ich wohl mehr geschrieben. Es ist klar, dass die Kapitel bei längeren Aufenthalten auch mehr Seiten umfassten, wenn es denn interessantes zu berichten gab.
Auf jeden Fall habe ich durch diese Notizen eine ganz anderes Sichtweise auf Menschen und Länder bekommen. Hinzu kommt, dass Eugen Ruge seine Gedanken hat einfließen lassen. Hat er doch Jahre seines Lebens in der DDR verbracht und bereist heute Länder, die damals mit der DDR befreundet waren und teilweise auch noch an dieser Politik festhalten. Gleichzeitig habe ich festgestellt, dass wir unabhängig von den Ländern, in denen wir aufgewachsen sind, heute einiges gleich sehen. Das ist mir besonders bei dem Bericht der USA-Reise aufgefallen. Ich fand es ungemein interessant.

Fazit:
Das ist mal eine ganz andere Möglichkeit etwas über Land und Leute zu erfahren. Ich fand es lesenswert und empfehle das Buch auch gerne weiter.

Dem Verlag Rowohlt danke ich vielmals, die Bücher, die ich als sommerliches Buchpaket gewonnen habe, wurden sehr gut ausgesucht. Normalerweise hätte ich diese Bücher wohl nie gefunden, umso mehr freue ich mich.

Hier möchte ich noch einmal die anderen Bücher aufführen, die mir ebenfalls gefallen haben und ich weiter empfehle:

Wie Buddha in der Sonne
Was mach ich hier eigentlich
Ich bin dann mal Ertugrul


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