Sonntag, 13. September 2015

Rezension - Invasion der Wünsche


Autorin: Beatrix Kramlovsky

Titel: Invasion der Wünsche

Genre: Roman

Version: broschiert

erschienen: 11. Februar 2015

Seiten: 198

Altersempfehlung: Erwachsene



Die Autorin schreibt über sich:
Ich lebe als begeisterte Europäerin im südlichen Weinviertel bei Wien. Seit meiner Kindheit schreibe und male ich, während meines Studiums wurden die ersten Geschichten im Feuilleton veröffentlicht. Ich unterrichte auch an ausländischen Universitäten und Institutionen, halte Vorträge über zeitgenössische Literatur und vergleiche Schriftstellerinnen von unterschiedlichen Kontinenten und aus unterschiedlichen Kulturen. Zu meinen Lebensthemen gehören Ausgrenzungen aller Art und der gewaltsame Tod, weshalb ich mich auch viel in internationalen KrimiautorInnen-Netzwerken bewege und viele meiner Kurzgeschichten zu diesem Genre gehören. Geschichten können wunderbare Erklärungen für Lebenssituationen bieten. Daher höre ich so gerne Menschen zu und versuche überall, wo ich länger bin, Lesezirkel zu gründen. Ich schreibe jeden Tag mehrere Stunden. Da ich mich gut konzentrieren kann, schaffe ich das auch im öffentlichen Raum und mitten im Getümmel. Und ich liebe es, mit befreundeten KollegInnen heftige Diskussionen zu Texten und Büchern zu führen.


Kurzbeschreibung, übernommen:
Rosa will ihrem Leben ein selbstbestimmtes Ende bereiten. Von ihren Ängsten überwältigt hat sie das Gefühl für Familienprobleme und Disharmonien verloren, lässt Freunde und Lieben hinter sich, um in Süditalien, wo ihrer Meinung nach alles begonnen hat, tödlichen Frieden zu finden. Doch auch ihre Enkelin Johanna kann gut mit Geheimnissen umgehen und nutzt sie ungeniert, um die Familie zu retten. Ein Wettlauf mit der Zeit beginnt.


Meine Meinung:
Nachdem ich die Kurzbeschreibung gelesen hatte, dachte ich, dass dies wirklich ein sehr interessantes Thema ist und ich wurde neugierig auf dieses Buch.

Rosa ist der Meinung, dass jeder und vor allem sie selber bestimmen kann, wann und wie das Leben enden soll. Natürlich meint sie damit nicht den normalen Lebensweg, den jeder geht und von dem keiner weiß, wann er endet. Nein, sie ist schwer krank und möchte sich und ihren Lieben die letzten unter Umständen sehr qualvollen Stunden ersparen. Soweit war ich mit Rosa einer Meinung und bereit sie zu begleiten. So konnte ich erfahren, wie sie langsam Abschied von ihrer Familie nimmt. Da die Autorin alles aus Sicht von Rosa in der Ichform geschrieben hat, lernte ich auch Rosas Gedanken zu allem kennen. Wie es oft so ist, erinnert man sich in einem gewissen Alter an lang zurückliegende Erlebnisse und lässt vieles noch einmal Revue passieren.

Allerdings gibt es da die Familie, die ja nichts von dem Vorhaben weiß und von Rosa einiges fordert. So ein bisschen wurde ich dann auch böse auf den Sohn und die Enkelinnen. Ich meine, klar,sie wussten nicht, warum Rosa sich auf den Weg nach Italien gemacht hat. Sie wollte zu dem Ort fahren, den sie mit einer ganz besonderen Erinnerung verknüpfte. Es war klar, dass sie keinem den wahren Grund ihrer Reise nannte. Mal davon abgesehen, dass die Familie dafür kein Verständnis gehabt hätte, aber irgendwie gönnten sie ihr auch so nicht die Auszeit.

Die ganze Geschichte kann einen schon nachdenklich machen. Oma wird es schon richten. Aber wie es in Oma wirklich aussieht weiß keiner. Wie hätten alle reagiert, wenn Rosa ihnen ihre wahren Absichten verkündet hätte?
Beatrix Kramlovsky hat ein sehr wichtiges Thema angepackt und dies wunderbar mit der Lebensgeschichte von Rosa verknüpft. Da ich unbedingt wissen wollte, wie sich alles entwickelt, habe ich das Buch mal wieder in einem Rutsch ausgelesen. Allerdings war ich selber mit dem Ende nicht so einverstanden, was nicht heißt, dass ich mir ein anderes gewünscht hätte, nein, ich fand es zu abrupt und hätte liebend gerne noch weiter gelesen. Es mag sein, dass die Autorin vielleicht meint, nun könne meine Phantasie sich ausleben. Aber ich lese dann doch viel lieber, wie es weitergeht.

Invasion der Wünsche, so lautet der Buchtitel. Ich erwähnte ja schon, dass diese Geschichte einen zum Nachdenken anregt und wenn ich über den Titel nachdenke noch mehr. Jeder hat viele Wünsche, aber ist es auch richtig, dass andere ihre zurück stecken sollen, damit die der anderen erfüllt werden?

Fazit:
Auf jeden Fall fand ich es ganz toll, Rosa kennen zu lernen und vieles aus ihrem Leben zu erfahren. Sie war keine Frau, die sich an die Regeln, die zu ihrer Zeit galten, hielt. Das Buch empfehle ich gerne als sehr lesenswert.

Bei Beatrix Kramlovsky möchte ich mich bedanken, ohne ihre Anfrage hätte ich dieses Buch wohl bei der Menge, die auf dem Buchmarkt angeboten werden, übersehen. Was ich jetzt nach dem Lesen, schade gefunden hätte. Deshalb freue ich mich besonders, dass ich dieses Buch lesen konnte und würde mich freuen, es anderen Leserinnen ans Herz bzw auf den Büchertisch legen zu können.

1 Kommentar:

  1. Liebe Ulla Leuwer,
    was für eine schöne Art, sich auf mein Buch und sein Thema einzulassen! Herzlichen Dank.
    Übrigens: viele Leserinnen und Leser (!) fragen mich, warum ich keine Fortsetzung schreibe, sie wüßten gerne, wie es mit Rosa weitergeht und wie es Ludwig aushält. Ich finde das so spannend, was sich jede Lesende weiter zu meinen Figuren denkt und welche Geschichten in den Köpfen entstehen. Das ist eine ganz besondere Art des Gesprächs. Und ich freue mich, Teil davon sein zu dürfen.

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