Freitag, 23. September 2016

Rezension - Tage zwischen Ebbe und Flut


Autorin: Carin Müller

Titel: Tage zwischen Ebbe und Flut

Genre: Roman

Version: eBook und Taschenbuch

erschienen: 25. August 2016

Seiten: 288

Altersempfehlung: Erwachsene

Verlag: Knaur





Die Autorin Carin Müller schreibt, seit man es ihr 1978 in der ersten Klasse beigebracht hat. Da war ihr aber noch nicht klar, wie wichtig die Fähigkeit, Buchstaben zu Worten und Worte zu Sätzen zu verbinden, einmal werden würde. Zu diesem Zeitpunkt wollte sie Tierärztin, Raumschiffkapitän oder Floristin werden. Alternativen, die nach wie vor einen gewissen Reiz haben - wenn ihr Hund krank ist oder eine fiese Deadline droht. Trotzdem hat sie sich fürs Schreiben entschieden und arbeitet seit gut fünfzehn Jahren als freie Journalistin und Autorin. Carin Müller lebt mit Mann und Hund in Frankfurt und schreibt fast täglich auch in ihren beiden Blogs über "Einsichten aus dem Kiosk" (www.carinmueller.de) und Fußball. (www.11spielerfrauen.de)



Kurzbeschreibung, übernommen:
In ihrem ebenso warmherzigen wie humorvoll überspitzten Roman "Tage zwischen Ebbe und Flut" zeigt die Journalistin Carin Müller eine Familie im emotionalen Ausnahmezustand. Basierend auf eigenen Erfahrungen lässt die Autorin ihre liebevoll gezeichneten Charaktere, allen voran den an Alzheimer erkrankten Felix sowie seine Ehefrau, seine Tochter und seine Enkelin, auf einer Mittelmeer-Kreuzfahrt aufeinanderprallen. So entsteht ein bewegender, dabei sehr ehrlicher und oftmals herrlich komischer Reise- und Familienroman über eine der Volkskrankheiten unserer Zeit, wie man damit lebt, was sie mit sich bringt - an Verlusten, aber auch neuen Erfahrungen und Chancen. Felix ist 70 Jahre alt. Er spricht aus, was niemand zu sagen wagt, und tut, was sonst niemand tun würde. Seine Erinnerungen sind wie Wellen in seinem Kopf, wogend, nicht festzuhalten. Denn Felix hat Alzheimer. Um ihm einen Herzenswunsch zu erfüllen, machen seine Ehefrau Ellen, seine Tochter Judith und seine Enkelin Fabienne mit ihm eine Kreuzfahrt. Doch während Felix die Reise als wunderbares Abenteuer erlebt, wird für die drei Frauen die Seereise zu einer Seelenreise durch schwere Gewässer, aber mit Kurs auf sonnige Gefilde.


Meine Meinung:
Das ist ein sehr gefühlvolles Buch über ein Thema, das für viele noch immer ein Tabu ist. Nach dem Motto, es trifft immer nur die anderen, will sich damit niemand auseinandersetzen. Inzwischen kenne ich allerdings sehr viele, wo der Vater oder die Mutter daran erkrankt ist. Wie geht man nun damit um? Wie werden wir damit umgehen, wenn wir selber betroffen sind? Dieses Buch macht einen nachdenklich und manch einer denkt sich vielleicht, so werde ich nicht damit umgehen. Leicht gesagt, aus der Ferne, hoffen wir mal, dass es dann auch wirklich so kommt, wie man es sich vornimmt. Am besten ist es natürlich, wenn diese gemeine Krankheit nicht in der unmittelbaren Umgebung auftritt. Aber fragt das Schicksal danach, was man möchte?

Felix, erst 70 Jahre alt, erkrankt an Alzheimer. Ellen, seine Frau tut sich verflixt schwer, damit umzugehen. Und mir fiel auch schwer, sie zu mögen. Ich war hin und her gerissen. Auf der einen Seite konnte ich sie verstehen, auf der anderen Seite dann doch wieder nicht. Judith, die Tochter und Fabienne, die Enkelin müssen ebenfalls lernen mit der Krankheit umzugehen. Rein zufällig befinden sich alle vier nun auf einer Kreuzfahrt. Geplant war alles anders, aber so mussten sie das beste daraus machen. Und jede hatte ein Päckchen zu tragen. Fabienne gerade mal 17 Jahre jung, steckt mitten in der Pubertät und Judith muss sich eingestehen, das..... achne, ich werde nicht zu viel verraten.

Man könnte meinen, es wäre eine ganz normale Familie, die sich auf  Reisen begibt. Viele Probleme kann man lösen, aber eine Krankheit kann man nicht wegzaubern. Man muss lernen damit umzugehen und dabei sich selber nicht zu vergessen.

Carin Müller hat sehr gefühlvoll über die Krankheit geschrieben. Aber es gab auch wunderschöne und humorvolle Momente, wo ich schmunzeln musste. Trotzdem blieb mir der Griff zu einem Taschentuch, um meine Tränen zu trocknen, nicht erspart.

Ich finde es klasse, dass Carin Müller ein Buch zu der Krankheit geschrieben hat. Sie selber muss erleben, wie ihr Vater, der daran erkrankt ist, sich verändert. Sie muss einen Weg finden, sich damit zu arrangieren, so blöd es sich auch anhört. Den Beteiligten hat sie sehr unterschiedliche Charaktere zugeordnet, vielleicht ein wenig überspitzt, aber durchaus realistisch. Denn sie sieht ja, wie die Menschen in ihrem Umfeld reagieren und damit fertig werden. Auf jeden Fall ist dies ein Buch, das jeder mal lesen sollte, egal ob betroffen oder nicht.

Übrigens habe ich mich sehr gefreut, alte Bekannte auf dem Schiff Flying Cloud wieder zu treffen. Denn mir hat das Buch "Gefühlte Wahrheit" sehr gut gefallen. So konnte ich lesen, wie es mit Selma und Henri weitergeht. Außerdem fand ich es sehr interessant, dass zwar Felix und Alzheimer im Mittelpunkt standen, aber auch das Leben der anderen geht weiter mit den kleinen oder großen Problemen.


Fazit:
Ein Buch, das sich keiner entgehen lassen sollte. Es spricht alle Lesergruppen an und deshalb empfehle ich es gerne weiter.

Bei dem Verlag Droemer-Knaur möchte ich mich recht für das Rezensionsexemplar bedanken.

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