Mittwoch, 21. Dezember 2016

Weihnachtshäppchen - Bettina Kiraly



Die Indie-Autor-Challenge, die seit März 2015 läuft,ist immer noch aktiv und beliebt. Jetzt hatten einige Autoren die Idee, eine weitere Challenge, mit Hilfe der Leser zu veranstalten. 






***Weihnachtshäppchen***

Bettina Kiraly hat sich der Herausforderung von Martina König gestellt


Tannenzapfen
Zimtsterne
Schneegestöber
Eierpunsch
Schlittschuhe


Martina biss in einen der in der weihnachtlich dekorierten Hütte bereitgestellten Zimtsterne, während sie aus dem Küchenfenster sah. Der Wetterbericht hatte starken Schneefall angekündigt. Doch noch handelte es sich erst um ein paar einzelne Flocken.
Die Hintertür wurde aufgestoßen und ließ kalte Luft in die kleine Küche.
Jordan trat ein, das Holz unter dem Arm, das er gerade kleingehackt hatte. Sein Gesicht war von der Kälte gerötet, weshalb das Blau seiner Augen noch stärker leuchtete als sonst. „Das sollte für’s Erste reichen“, meinte er und schlug die Tür mit einem Fuß hinter sich wieder zu. „Ich lege gleich Feuerholz nach. Irgendwie muss ich doch versuchen, dich aus deinem kuscheligen Schlabberpullover zu bekommen.“
Das spitzbübische Funkeln in seinem Blick brachte ihren Magen zum Kribbeln. „Eigentlich dachte ich, wir würden gemeinsam mit den anderen heute noch Schlittschuh fahren gehen.“
Er zog sich den ersten Schuh vom Fuß, indem er die Ferse unter die Sohle des anderen Schuhs klemmte. Anschließend schlüpfte er auch aus dem anderen Schuh und ging auf Socken Richtung Wohnzimmer. „Ich habe den Plan verworfen, nachdem ich den Wetterbericht gehört habe. Die Straße durch den Wald kann schnell zu einer gefährlichen Rutschbahn werden. Wir bleiben lieber das Wochenende über hier oben in der Hütte. In deiner Gesellschaft wird mir bestimmt nicht langweilig. Und ich wüsste auch das eine oder andere, mit dem wir uns die Zeit vertreiben könnten.“
„Dann sind wir hier eingeschlossen?“ Martina folgte ihm nach nebenan. Ihr Puls beschleunigte sich bei der Vorstellung, die nächsten beiden Tage die Nähe dieses Mannes ertragen zu müssen, der ihre Abwehr mit seinem ständigen Flirten auf eine harte Probe stellte. Als er nicht antwortete, sondern sich stattdessen hinhockte und auf das Feuer im Kamin konzentrierte, straffte sie die Schultern. „Aber die anderen kommen noch, nicht wahr? Wir sind hier nicht alleine, oder?“
„Tut mir leid, Süße. Kim hat vorhin angerufen, dass sie es nicht rechtzeitig vor dem Wetterumschwung schaffen werden. Wir beiden können ohne Zeugen in Unterwäsche rumlaufen, sobald das Feuer wieder richtig brennt.“ „Warum hast du mir das nicht gleich gesagt? Ich werde mir ein Taxi rufen und mich zurück zum Bahnhof bringen lassen.“
Er hob den Kopf. „Dafür ist es zu spät. Mach dir keine Sorgen. Du hast von mir nichts zu befürchten.“
Sie schnaubte.
„Der Schneefall wird bereits stärker, und du musst ohnehin hier bleiben.“
„Hast du das eingefädelt? Ist Kim eingeweiht? War die Einladung zu diesem Wochenende nur ein Trick, um mich in die Finger zu bekommen?“
Der Bruder ihrer besten Freundin - und hauptsächlich aus diesem Grund absolutes Tabu - sprang auf und kam auf sie zu. Er schien jetzt ehrlich verärgert. „Blödsinn! Das habe ich nicht notwendig. Wenn ich eine Frau will, kriege ich sie auch, ohne sie entführen zu müssen. Keine kann mir widerstehen. Du bildest da auch keine Ausnahme, Süße.“
„Oh, wie überheblich. An mir beißt du dir jedenfalls die Zähne aus. Ich stehe nicht auf dominante Machos!“ Wie sehr sie wünschte, dass das der Wahrheit entspräche. „Trotzdem muss ich hier weg.“
„Ich sollte dich in das Schneegestöber rausstapfen lassen, bis du zur Vernunft kommst. Doch spätestens in einer halben Stunde wirst du deine Hand nicht mehr vor dem Gesicht erkennen können. Das Wetter lässt sich nicht ändern. Also hör auf, uns beiden das Leben schwer zu machen.“
Jordan stand jetzt direkt vor ihr. Der Duft seines Aftershaves stieg ihr in die Nase. Seine breiten Schultern versperrten ihr den Weg. Er war so nah, dass sie die hellen Sprenkel in seinen blauen Augen erkennen konnte. Ihr Blick heftete sich auf den Schwung seiner Lippen, die sich zu einem spöttischen Grinsen verzogen. Das Atmen viel ihr schwer. Sie räusperte sich. „Dann bleibe ich eben. Aber jetzt muss ich mal.“
Martina schlängelte sich an ihm vorbei und schloss sich im Badezimmer ein. Sogar hier hatten die Vermieter der Hütte Weihnachtsdekoration aufgestellt. Wütend funkelte sie die Schüssel mit Tannenzapfen an. Vielleicht konnte sie die Dinger als Wurfgeschosse verwenden, wenn Jordan ihr wieder zu nahe kam.
Die letzten Wochen war es ihr gelungen, nicht mit ihm alleine zu sein. Sie hatte seine Gesellschaft grundsätzlich gemieden, seit er begonnen hatte, wenig versteckt mit ihr zu flirten. Für ihn mochte das nur ein Spiel sein, aber sie schwärmte schon seit ihrer Teenagerzeit für ihn. Wenn sie ihm erlaubte, ihr unter die Haut zu kriechen, könnte er ihr ganz leicht das Herz brechen. Da darunter auch ihre Freundschaft zu Kim leiden würde, ginge sie dieses Risiko niemals ein. Lieber versteckte sie sich den Rest des Wochenendes hier in diesem Badezimmer.
Als es an der Tür klopfte, zuckte sie zusammen. „Alles okay? Du bist schon ziemlich lange da drinnen.“
„Verschwinde einfach“, bat sie.
„Ich habe eine Flasche mit Eierpunsch gefunden. Vielleicht erträgst du mich leichter, wenn du etwas von dem Zeug trinkst.“
„Danke, verzichte.“
Kurz war es still. „Komm schon, Martina. Dich vor mir zu verstecken ist keine Lösung. Bestimmt wird dir bald langweilig.“
„Dann solltest du dich in eines der Schlafzimmer zurückziehen und mich in Frieden lassen.“
„In das Schlafzimmer“, korrigierte er.
„Wie bitte?“
Er seufzte. „Sie haben uns die falsche Hütte zugewiesen. Es gibt nur ein Schlafzimmer.“
Das wurde ja immer besser. Sie musste weg. Schnell. Wutschnaubend öffnete sie die Tür. „Das kannst du sowas von vergessen. Soll ich mir etwa das Bett mit dir teilen?“
„Eine verlockende Vorstellung.“ Ein schiefes Grinsen erschien auf seinem Gesicht. „Bestimmt wird es im Zimmer so schön warm. Und dir auch. Dir scheint doch ohnehin ständig kalt zu sein, so wie du dich einmummst.“
Nur zu ihrer Sicherheit. „Ich schlafe nicht mit einem gefühllosen Mistkerl wie dir!“
Das Grinsen verschwand. Seine Augen wurden schmal. „Es war nur ein Scherz, um dich aus dem Badezimmer zu kriegen. Du hast einen Raum ganz für dich alleine.“ Er wandte sich um und marschierte mit energischen Schritten den Gang entlang.
Vielleicht hätte sie ihn nicht beleidigen sollen. „Tut mir leid!“, rief sie und folgte ihm ins Wohnzimmer. „Lass uns die nächsten beiden Tage wie zwei vernünftige Menschen miteinander umgehen. Schließlich sind wir sowas wie Freunde.“
Er blieb so abrupt stehen, dass sie gegen seinen Rücken stieß. Mit einer geschmeidigen Bewegung drehte er sich zu ihr, griff nach ihren Oberarmen und drängte sie gegen die Wand. „Freunde? Du weißt genau, dass das nicht stimmt. Ich empfinde etwas ganz anderes für dich. Sag einfach, wenn du mich nicht leiden kannst. Aber tu nicht so, als wäre dir nicht bewusst, dass ich mich in dich verliebt habe.“
„Verliebt? Du? In mich?“ Ihre Kehle wurde eng. Ihr Herz flatterte. Nein, es war dennoch keine gute Idee, diese unglaublich weich aussehenden Lippen auf ihrem Mund fühlen zu wollen. „Woher soll ich das denn bitte wissen?“ „Hast du mich im letzten halben Jahr mit einer Frau gesehen? Hast du nicht bemerkt, dass ich ständig deine Nähe gesucht habe? Und meine Flirtversuche sollten auch direkt genug gewesen sein.“
Sie starrte in sein attraktives Gesicht, spürte, wie ihr Körper ihm entgegendrängte. Nur zu gerne wollte sie ihm glauben. „Kim ist meine beste Freundin.“
„Was hat das mit meinen Gefühlen für dich zu tun?“
„Es würde großen Druck für uns bedeuten. Es wäre zu seltsam. Und wenn wir das in den Sand setzen, hätte das Auswirkungen auf meine Freundschaft zu Kim.“ Mit diesen Worten gab sie indirekt zu, ähnlich wie er zu empfinden. Aber er musste verstehen, warum es nicht sein konnte. Am besten wand sie sich aus seinem Griff und brachte sich in Sicherheit vor der großen Anziehungskraft. Stattdessen legten sich ihre Hände in seinen Nacken. „Sie hält dich für unfehlbar. Bestimmt würde sie mir die Schuld geben, wenn wir uns trennen sollten. Darum ist es unmöglich …“
„Halt die Klappe“, befahl er mit rauer Stimme. Der Ausdruck in seinen Augen veränderte sich. Ein Feuer loderte darin, das alles von ihr verlangte: ihr Herz, ihre Seele, ihre Zukunft. Trotz seines toughen Auftretens lag echtes Gefühl in seinem Blick.
Ihre Atmung beschleunigte sich. Als er sich über die Lippen leckte, wurden ihre Knie schwach. Ihr Herz wollte ihn, ihr Körper ebenso. Hatte sie überhaupt noch eine Wahl?
Sein Gesicht kam näher. Blinzelnd schluckte sie mit trockener Kehle. Sein Mund berührte ihren, und sie stöhnte sehnsüchtig auf. Er küsste sie vorsichtig, ehrfürchtig. Jordan! Der Mann der ständig Machosprüche von sich gab, zeigte völlig unerwartet seine sanfte Seite. In diesem Moment gab die Mauer um ihr Herz endgültig nach.
Er hob seine Hände zu ihrem Gesicht, umfasste es mit zitternden Fingern. Seine Lippen waren so unglaublich weich. Sein zärtlicher Kuss jagte das Begehren durch ihren Körper. Doch statt seinem Ruf gerecht zu werden, nichts anbrennen zu lassen, machte er keine Anstalten, sie hier und jetzt zu mehr zu verführen.
„Wolltest du mich nicht aus meinem Pullover kriegen?“, fragte sie an seinem Mund.
„Keine Sorge. Ich gehe dir nicht gleich an die Wäsche“, versprach er heiser. „Bei dir mache ich alles richtig.“
Seine Worte ließen einen Hitzeball in ihrem Magen entstehen. Stöhnend presste sie sich näher an ihn, rieb ihre Hüfte an seiner Mitte. „Verdammt ungünstiger Zeitpunkt, um dich wie ein Gentleman zu verhalten.“
„Aber …“
„Manchmal stehen wir Ladys auf Bad Boys.“ Sie beugte sich vor und flüsterte in sein Ohr: „Wir haben genug Zeit vergeudet. Dieses Wochenende wird zeigen, ob wir harmonieren. Beim Zusammenleben und im Bett.“
Einen Moment schien er wie erstarrt. Dann hob er sie schwungvoll hoch und trotz ihres überraschten Aufschreis auf seine Arme. Während er sie in eines der Schlafzimmer trug, platzierte sie viele kleine Küsse auf seinem Gesicht.
Jordan legte sie auf dem Bett ab und war sofort über ihr, um sie richtig zu küssen. Seine geschickten Finger schälten sie in der Zwischenzeit aus ihrer Kleidung, brachten sie anschließend zum Stöhnen.
„Wenn du dir einen Bad Boy wünschst, sollst du ihn bekommen“, murmelte er, während er seine Lippen über ihre Haut wandern ließ.
Martina stöhnte unter seinem Ansturm. Sollten sie ruhig eingeschneit werden. Am besten dauerte der Schneesturm gleich einige Tage. Sie hatte hier alles, was sie brauchte. Und noch ganz viel mehr.

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