Sonntag, 27. Juni 2021
Nachgefragt - KBV - Die Krimi-Cops - Böse Falle
Montag, 30. November 2020
Autoreninterview Marco Toccato
Lieber Marco,
ich freue
mich, dass ich Dich ebenfalls interviewen darf. Persönlich sind wir noch nicht
begegnet, aber vielleicht ergibt sich auf der einen oder anderen Buchmesse
einmal, wenn wir mal wieder teilnehmen können.
Kennen
gelernt haben wir uns über die Bloggerlounge des Self Publisher Verbandes und
dort hast Du mir mitgeteilt, dass Du Dich gerne meinen Fragen stellen möchtest.
Das finde ich klasse und lege dann auch direkt mit meinen Fragen los.
Ich habe auf
Deiner Homepage gelesen, wie es dazu kam, dass Du ein Buch geschrieben hast.
Möchtest Du dies hier noch einmal kurz erklären?
Ja gerne, es
war aus Wut und Stress! Ich hatte beruflich Ärger und ganz schlimm war ein
Streit in der Nachbarschaft, der mich dann auch noch privat erwischte. Da die
betreffende Person selbst schreibt, wollte ich sie damit ärgern, von mir in
einem Buch verewigt zu werden. Es wurde ein Regionalkrimi mit fiktionalem
Charakter im schönen Ort Kronenburg, weil ich alle Namen und Orte umbenannt
habe. Ich hatte Angst vor juristischen Problemen, deshalb auch mein Pseudonym.
Das Buch heißt „Amor Amaro und die tote Nachbarin“
Wenn ich das
richtig gesehen habe, hast Du in der Hauptsache Krimis geschrieben. Wie kam es
zu der Entscheidung, in diesem Genre zu schreiben?
Das ergibt sich zum Teil aus dem, was ich vorher sagte, denn erstens schreibt die Nachbarin auch Krimis, dann wird „meine Nachbarin“ ermordet aufgefunden und last but not least ist mir ein lustiger Protagonist eingefallen, nämlich ein Deutschitaliener namens Amor Amaro, der als Privatdetektiv arbeitet. Den gibt es nun in noch vier weiteren Büchern. Der isst übrigens gerne, weshalb es in den Amor Amaro-Büchern immer Rezepte aus der italienischen Küche gibt.
Wie lange
schreibst Du an einem Buch?
Oh, das hängt
ganz davon ab, wie die Ideen kommen. Bei den „Amor Amaros“ genügt meistens die
Grundidee und dann geht’s los. Mir ist es mal passiert, dass ich an einem Tag
60 Seiten geschrieben habe. Trotzdem brauche ich für ein Buch in der Regel 2-3
Monate.
Bei den
anderen Büchern, besonders den zweien der „Wiener Träume“-Reihe habe ich viel
länger gebraucht, weil da die Recherche umfangreicher war und ich dem Thema
wirklich ungewöhnliche Drehs und Wendungen passend zu dem Vorbild „Die
Traumnovelle“ geben wollte. Die habe ich auch schon einmal mehrere Monate
liegen lassen und dann wieder fortgesetzt, sobald die nächste richtige
Eingebung kam.
Wer darf es
als erstes lesen?
Meine Frau!
Sie ist auch meine Korrektorin!
Wie sieht
Dein Autorenalltag aus?
Da gibt es
keinen festen Ablauf außer, dass ich vor allem abends schreibe. Meistens
beginne ich um 17, 18 Uhr und zur Tagesschau (die möchte ich möglichst immer
sehen) höre ich auf. Es gab aber auch schon Tage – siehe oben mit 60 Seiten –
da hatte ich einen Einfall und den wollte ich am Stück schreiben. Da bin ich
dann nachmittags gegen halb drei angefangen.
Wie findest
Du die Ideen zu Deinen Büchern?
Wenn ich das
wüsste, ha ha! Nein, Spaß beiseite, beim ersten Buch war klar, dass es schon
wehtun sollte für meine ehemalige Peinigerin. Ich habe sie auf einem Duschklo
sterben lassen. Das hat sich als geniale
Wahl herausgestellt, weil mir damit
später noch ein kriminaltechnischer Dreh eingefallen ist. Ich weiß in der Regel
nicht, wie meine Bücher ausgehen, wenn ich anfange!
Ich hatte mal
eine Lesung bei einem Deutsch-Italienischen Verein und die Moderatorin hat mich
mit folgenden Worten anmoderiert: „Marco Toccato ha raccolto un cassetto pieno
di eventi e di idee durante la sua vita“, was so viel heißt wie „Marco Toccato
hat im Laufe seines Lebens eine Schublade voll Ereignissen und Ideen
gesammelt.“
Das zweite
Buch war mit Ideen aus meiner Berufszeit angefüttert und spielt deshalb im
Bereich Software, Internet usw.
Die andere
Linie „Wiener Träume“ entstand aus meiner Liebe zu Wien und dem Buch „Die
Traumnovelle“ von Arthur Schnitzler, was mich fasziniert hat und ich meinte,
dass das eine moderne, neue Version vertragen könnte. Hört sich
größenwahnsinnig an, aber es gibt auch Hobbymaler, die mal einen Rubens
kopieren.
Du
veröffentlichst Deine Bücher als Self Publisher, bist Du mit Deiner
Entscheidung zufrieden?
Auf meiner
Website gibt es einen Blog, der aber häufiger gefüttert werden müsste. Dort
habe ich mal etwas dazu geschrieben, als ich Frust hatte. klick hier
Ehrlich
gesagt, kann ich es mir anders nur schwer vorstellen. Es ist die Freiheit, dann
zu schreiben wenn ich Lust dazu habe, das zu schreiben, was mir
gefällt und nicht einem Lektor und vor
allem auch, wenn ich etwas fertig geschrieben habe, möchte ich es am liebsten
nächste Woche als Buch in Händen haben. Als Verlagsautor schreibst du
vielleicht ab März ein Buch für die Frankfurter Buchmesse im nächsten Jahr im
Oktober, der Lektor versucht seine Vorstellungen durchzusetzen und das Buch
gibt es dann über ein Jahr später als fertiges Werk. Du hast es dann zwar noch
nicht gesehen, aber vielleicht den Inhalt schon vergessen.
Schlecht am
Selfpublisher-Dasein ist, dass wir nicht ernst genommen werden. Tageszeitungen
rezensieren nur Verlagsautoren, Wettbewerbe sind ebenfalls in der Regel so,
dass wir SPler außen vor bleiben und Marketing macht sowieso kein Mensch für
einen.
Hast Du noch
weitere Bücher geplant?
Mit meinem
Realnamen habe ich gerade ein Kinder-/Jugendbuch fertiggestellt. Parallel
schreibe ich an dem dritten und letzten Teil von „Wiener Träume“. Der liegt
gerade ein wenig in der Warteschlange, mir fehlt die Idee zum Weitermachen bzw.
ich habe so viele, dass ich noch nicht weiß, wie ich sie hintereinander
sortiere. Wahrscheinlich muss „Amor“ wieder ran oder ich mach noch einmal einen
Krimi mit der Kommissarin Karin Kwiatkowski aus dem realen Dortmund. Das erste
Buch mit ihr „SAUBER“ kam gut an und es gibt Leser*innen, die Nachschlag
fordern.
Hast Du Zeit
und Lust Bücher Deiner Kollegen zu lesen?
Wenn ich
nicht schreibe, esse oder schlafe, lese ich wie ein Verrückter. Es ist
unglaublich, wie viele Ideen ich durch das Lesen bekommen habe. Wohlgemerkt, ohne
zu klauen!
Wenn Du eine
Zeitreise machen könntest, welchen Autor der Vergangenheit würdest Du besuchen
und warum?
Ganz klar den
Arthur Schnitzler und ihn bitten, mein „Nur ein Traum im Traum?“ zu lesen und
dann von ihm den Kopf gewaschen zu bekommen, weil ich sein Werk verhunzt habe,
ha ha. Wenn ich schon mal da wäre, müsste ich unbedingt noch mit Joseph Roth ein
Glaserl trinken. Von dieser Zeitmaschine träume ich seit Jahrzehnten.
Hast Du als
Kind gerne gelesen und wenn ja, an welche Bücher erinnerst Du Dich?
Ich habe
ALLES gelesen, was mir in die Hände kam, Comics, Homers Ilias und Odyssee,
Gisel und Ursel von meiner Schwester, wenn nichts anderes da war, so ab 12, 13
Jahren habe ich dann Heinrich Böll Haus ohne Hüter, Der Zug kam pünktlich),
Günter Grass (Hundejahre) und Zeitgenössisches entdeckt. Wenn die Sommerferien
begonnen haben, war ich in unserer Stadtbibliothek und habe mir so an die 10
Bücher mitgenommen.
Außerdem bin
ich bekennender Fan von Douglas Adams und „Per Anhalter durch die Galaxis“.
Haben Dich
irgendwelche Autoren geprägt?
Mich
persönlich als Mensch Heinrich Böll und später Arthur Schnitzler, Joseph Roth
und deren Epoche.
Als Self
Publisher bist Du unter anderem auch für die Werbung zuständig. Was unternimmst
Du?
Alles
Mögliche, aber leider nicht genug und nicht erfolgreich genug! Ich versuche
meine Website à jour zu halten, vor Corona habe ich mich bemüht, wenigstens
eine Lesung pro Monat zu veranstalten, ich twittere, facebooke, in den
Buchhandlungen meiner Umgebung liegt Werbematerial und auch Bücher von mir in Kommission und
manchmal wird auch eine liebe Bloggerin auf mich aufmerksam und macht ein
Interview mit mir. Ach ja, ab und zu blogge ich auch über Gott und die Welt,
aber da bin ich zu undiszipliniert. Das müsste ich regelmäßiger tun.
Machst Du
Lesungen?
Ja, sogar
sehr gerne! Mein Motto ist „Ich kämpfe um jede Seele!“ Ich würde auch für eine
Einzelperson lesen, wenn nicht mehr Interessenten kommen würden. Corona macht
mich übrigens fertig!
Hast Du
Kontakte zu Bloggern und viel wichtiger zu Deinen Lesern?
Da muss ich
die Initiative vom Selfpublisher Verband einmal feste loben. Seit es die
Bloggerlounge gibt, entstehen wunderbare Kontakte zu Bloggerinnen. Ach übrigens
ich fordere eine Männerquote, denn es gibt, was Bücher angeht, scheinbar nur
Bloggerinnen. Wo bleiben die ganzen Kerls? ;-)
Zu einzelnen
Lesern, es sind übrigens auch scheinbar fast nur Frauen, die lesen, habe ich
Kontakt und tausche mich mit denen aus. In jedem meiner Bücher ist meine
eMail-Adresse, aber leider machen nur sehr wenige Gebrauch davon. Ich mag jede
Rückmeldung, auch wenn darin steht, dass dieses oder jenes in einem meiner Bücher
nicht gefiel. Besonders darauf bin ich aus, denn dann kann ich nachfragen und
meine Motive erklären bzw. daraus für die Zukunft lernen.
Liebe Marco,
ich denke
mal, dass ich Dich nun genug gelöchert habe. Vielen Dank für Deine Bereitschaft
Liebe Ulla,
ich habe zu
danken. Das hat richtig Spaß gemacht!
Im Dortmunder Kreuzviertel geht ein wahnsinniger Serienmörder um. Junge Frauen werden mit heißem Wasser, Dampf und mit Stahlbürsten zu Tode gequält. Die Leichen legt der Mörder an einem Bahndamm ab, immer an dieselbe Stelle. Die Kriminalhauptkommissarin Karin Kwiatkowski ist Leiterin der Mordkommission. Sie versucht mit ihren Mitarbeitern Alex Bender und Karla Schaller die Morde aufzuklären. Alles deutet auf einen jungen Unternehmer aus dem Technologiezentrum hin, dessen Ehe mit seiner bildschönen Frau Nora nicht mehr zu funktionieren scheint. Nora wurde als Kind von ihrem Vater missbraucht! Außerdem kommt ein Ex-Freund von Karla Schaller als Mörder in Frage. Er hat Karla geprügelt und vergewaltigt. Es sind schon zwei Leichen gefunden worden, da verschwindet Karla. Genau wie die zwei toten Frauen ist sie groß, schön und hat vor allem eine wunderbare Ausstrahlung. Solche Frauen sucht der Mörder.
Sonntag, 1. November 2020
Autoreninterview Karin Joachim
Liebe Karin,
ich freue mich, dass Du Dich meinen Fragen stellen möchtest.
Wir beide haben uns bisher noch nicht auf einer Buchmesse getroffen und deshalb
„nur“ schriftlichen Kontakt. Dieser Kontakt entstand durch eine Empfehlung
eines lieben Bloggerkollegen. Er gab mir den Hinweis zu einem Deiner Bücher und
ich habe mich dann bei Dir gemeldet. Inzwischen habe ich mit Begeisterung
einige Deiner Bücher gelesen und werde jetzt auch sofort mit meinen Fragen
loslegen.
Danke, liebe Ulla. Ich
freue mich sehr auf Deine Fragen. Unser persönliches Treffen holen wir bald
nach.
Als freie Autorin
hast Du einige Jahre für verschiedene Zeitschriften gearbeitet. Wie kam es,
dann Du mit dem Schreiben „richtiger“ Bücher angefangen hast?
Romane zu schreiben,
war immer mein Traum. Ich hatte zeitlebens Ideen für ganz verschiedene
Geschichten im Kopf, schrieb auch hin und wieder, aber es bestand einfach keine
Gelegenheit, mich ausgiebiger damit zu beschäftigen. Bis 2009 habe ich ein
Museum geleitet, danach schrieb ich vorwiegend Fachartikel und Sachbücher. Im
Rahmen meiner Recherchen für meinen Reiseführer durch das Ahrtal stieß ich auf
eine historische Begebenheit, die meine Fantasie beflügelte. Daraus entstand
dann die Idee für meinen ersten Ahr-Krimi „Krähenzeit.“
Ich kenne von Dir
einige Krimis. Wie bist Du auf die Idee gekommen, in diesem Genre zu schreiben?
Die Idee zu meinem
ersten Krimi fand mich. Außerdem spukte mir schon eine Weile eine Protagonistin
im Kopf herum: Eine Tatortfotografin. Krimis sind für mich eine geeignete
Möglichkeit, die Geschichten spannend zu erzählen. In meinen Krimis verwebe ich
gerne reale historische Ereignisse mit der Gegenwart.
Hast Du mal darüber
nachgedacht, Bücher in einem anderen Genre zu schreiben?
Ich schreibe ja
bereits zeitgeschichtliche Romane. In „Domschattenträume“ und
„Großstadtflüstern“ macht sich die Kölner Fabrikantentochter Karolina Offermann
auf ihren ganz eigenen Weg und versucht, dem Einflussbereich ihres Elternhauses
zu entkommen. Sie möchte Filmschauspielerin werden. 1926 zieht es sie ins ferne
Berlin.
Wie findest Du die
Ideen zu Deinen Büchern?
Auf ganz
unterschiedlichen Wegen. Ich lese sehr viel, vor allem auch Sachbücher. Besuche
Museen, Ausstellungen, historische Orte, recherchiere in Archiven. Gute Ideen
notiere ich. Und wenn sie ausbaufähig sind, entstehen daraus meine Romane.
Kann es vorkommen,
dass während des Schreibens bereits neue Ideen auftauchen?
Während des Schreibens
bin ich meist ganz in meiner Geschichte gefangen. Ich konzentriere mich dabei
auf meine Protagonisten, versetze mich in sie hinein. Die Ideen für neue
Projekte kommen eher bei den Recherchen und im Alltag. Die möglichen
Fortsetzungen habe ich allerdings schon im Blick, wenn ich schreibe, denn was
in den Folgebänden geschieht, muss vorbereitet und angelegt werden.
Wie hältst Du sie
fest?
Ich habe dafür
verschiedene Notizbücher, in die ich dann auch kleine Schnipsel wie
Zeitungsartikel etc. klebe.
Wie lange schreibst
Du an einem Buch?
Die reine Schreibzeit
für die erste Fassung des Manuskriptes beträgt meist zwei bis drei Monate. Dann
arbeite ich so konzentriert, dass ich in dieser Zeit keine weiteren Termine vereinbare,
wenig schlafe und esse. Aber um so arbeiten zu können, muss ich umfangreich recherchiert
haben. Die Recherchen können ein bis zwei Jahre dauern. Zunächst schreibe ich
das Exposé, entwerfe Figurenbiografien und plotte. Nachdem die Erstfassung geschrieben
ist, gibt es wiederum mehrere Korrekturdurchgänge, bevor das Manuskript
überhaupt ins Lektorat geht. Alles in allem plane ich für einen Roman ein bis
zwei Jahre ein, manchmal auch drei.
Wer darf es als
erstes lesen?
Sehr gute
Freund*innen.
Wie sieht Dein
Autorenalltag aus?
Ich bin schon sehr
diszipliniert. Mein Tagesablauf sieht vermutlich nicht sehr anders aus, als der
anderer Berufstätiger. Allerdings arbeite ich oft bis spät in die Nacht, stehe
dann am anderen Morgen trotzdem zeitig auf. Zum Glück erinnert mich mein Hund
regelmäßig daran, dass ich auch Pausen machen muss. Bewegung an der frischen
Luft ist so wichtig.
Ich habe gesehen,
dass Du auch Lesungen machst, leider wurde in diesem Jahr alles ein bisschen
ausgebremst. Wie wichtig ist Dir der Kontakt zu den Lesern?
Ich liebe Lesungen und
den Austausch mit den Leserinnen und Lesern. Im Vorfeld stelle ich ein Programm
zusammen, das durchaus unterhaltsam ist. Je nach Buchthema gibt es auch
kleinere kabarettistische Einlagen. Für die Lesungen aus „Großstadtflüstern“
(erschienen im Sommer 2020) war die Zusammenarbeit mit Musikern geplant, die
Filmmusik der 1920er-Jahre spielen. Das wäre etwas ganz Besonderes geworden.
Hast Du Zeit und Lust
Bücher Deiner Kollegen zu lesen?
Ja. Aber da ich sehr
viele Sachbücher und Fachliteratur lese, bleibt dafür eher wenig Zeit.
Wenn Du eine
Zeitreise machen könntest, welchen Autor der Vergangenheit würdest Du gerne
besuchen und warum?
Ich fände es spannend,
mit Vicki Baum zu sprechen. Sie war eine sehr erfolgreiche Schriftstellerin, die
z.B. 1929 den Roman „Menschen im Hotel“ schrieb, der auch mehrfach verfilmt
wurde. Sie emigrierte in den 1930er-Jahren und starb 1960 in Los Angeles.
Hast Du als Kind
gerne gelesen und wenn ja, an welche Bücher erinnerst Du Dich?
Ich habe als Kind
gerne gelesen, aber ich war keine typische Leseratte. Ich habe immer schon
gerne die Welt erkundet, Museumsbesuche, Besichtigungen historischer Stätten
und Städte gehörten immer dazu.
Du lebst Deinen
Traum, wann ist er zum ersten Mal aufgetreten?
Irgendwann in der
Schulzeit. Einer meiner Berufswünsche war übrigens auch Kriminalkommissarin,
weil ich es mag, Zusammenhänge zu ergründen.
Du bist als
Verlagsautorin tätig, fühlst Du Dich dort gut aufgehoben?
Ja. Ich bin wirklich
glücklich, dass der Gmeiner-Verlag meine Romane verlegt. Die Kontakte zu den
Mitarbeiter*innen sind eng und die Zusammenarbeit mit meinem Lektor ist sehr
konstruktiv.
Hast Du jemals den
Gedanken gehabt, Bücher als Self Publisherin herauszubringen?
Bislang noch nicht.
Ich mag es, in ein Team eingebettet zu sein.
Wie immer frage ich
sehr viel und kann doch etwas vergessen haben, deshalb gebe ich Dir hier die
Möglichkeit, uns Lesern zu sagen, was Du schon immer mal sagen wolltest.
Ich möchte mich an
dieser Stelle ausdrücklich für die Unterstützung bedanken, die ich von
Buchblogger*innen, Buchhändler*innen und natürlich den Leser*innen bislang
erfahren durfte. Ich finde es bewundernswert, wie viel Arbeit sich
Buchblogger*innen zuweilen machen, wie ausführlich sie unsere Bücher besprechen
und wie liebevoll sie diese präsentieren. Über Rückmeldungen meiner Leser*innen
freue ich mich besonders. Schreibt mir gerne, z.B. in den sozialen Netzwerken
oder auch per persönlicher Nachricht. Mehr dazu gibt es auf www.karinjoachim.de.
Ganz zum Schluss
frage ich gerne, was meiner Interviewpartnerin zu bestimmten Namen oder
Begriffen einfällt:
Berlin – Eine spannende Stadt, vor allem in den
1920er-Jahren
Astrid Lindgren –
Eine Frau mit einer interessanten Vita
Rotwein – Die Tatortfotografin Jana Vogt, die
Protagonistin meiner Ahr-Krimis, liebt Rotweinkuchen.
Liebe Karin, ich möchte mich vielmals bei Dir bedanken, dass Du meine Fragen beantwortet hast
Herzlichen Dank, liebe
Ulla, für diese interessanten Fragen.
Gerne möchte ich an dieser Stelle noch etwas zu dem Buch schreiben, das die Autorin in den Händen hält:
Sonntag, 25. Oktober 2020
Autoreninterview Benita Königbauer alias Nita Koning
Liebe Benita,
ich freue mich, dass Du Dich meinen Fragen stellen möchtest. Zunächst
schreibe ich ja immer etwas darüber, wie ich meine Interviewpartnerin kennen
gelernt habe. Die meisten Autoren, die ich interviewt habe, konnte ich auf der
einen oder anderen Buchmesse treffen. Wir beide kennen uns jetzt „nur“ durch
meine Mitgliedschaft im Bloggerportal des Self Publisher Verbandes. Bevor ich
meine Fragen stelle, informiere ich mich immer im WWW über meine
Interviewpartnerin und los geht es.
Ich habe bei meiner Recherche heraus gefunden, dass Du als Benita Königbauer Sachbücher schreibst und als Nita Koning bisher ein Kinderbuch veröffentlicht hast. Die Anzahl der Sachbücher ist dabei natürlich bedeutend höher. Wie kommt es, dass Du erst „spät“ Deinem Wunsch nachgekommen bist, ein Buch zu schreiben. Ich denke mir, dass Du als fünfjährige wohl eher nicht daran gedacht hast, später mal Sachbücher zu schreiben.
Nee, Sachbücher hatte ich da sicher nicht auf dem Radar 😅
das hat sich auch eher „zufällig“ ergeben.
Sachbücher erlauben mir, aus den Erfahrungen derer zu lernen, die ein
bestimmtes Problem vor mir gelöst haben. Für mich ist das einer der schnellsten
und effektivsten Wege, mich zu entwickeln. Meine Sachbücher sind eine Form,
dazu beizutragen und Danke zu sagen, für alles, was ich durch Bücher lernen
durfte.
Mein erstes Sachbuch „Abenteuer Wunschkanzlei“ ist das Buch, das ich
selbst gerne gelesen hätte, als ich nach fünf Jahren Selbständigkeit völlig
erschöpft an meinem Schreibtisch saß und auf die Kanzlei blickte, die ich
niemals wollte. Es baut die Brücke zu einem Unternehmen für das man morgens mit
Freude aus dem Bett springt.
„Umsatzsteuer für Online-Coaches“ entstand, weil ich für meine
Kund*innen Fragen recherchieren musste, für die es damals buchstäblich nirgendwo
klare, geordnete Antworten gab.
„Steuern für eBook-Autoren“,„Buchführung im Flow“ und „Dream Team“ habe
ich geschrieben, um meinen Leser*innen das Leben mit ihren Finanzen leichter zu
machen.
Der gemeinsame Nenner all dieser Bücher ist, dass ich es schwer
aushalten kann, dass es ein Problem gibt, zu dem man noch kein Buch kaufen
kann.
Du hattest als Kind die Idee,
eine Autorin wie Astrid Lindgren zu werden. War sie Deine Lieblingsautorin und
welche Bücher hast Du von ihr gelesen?
Ehrlich gesagt, stand der Name
„Astrid Lindgren“ für mein fünfjähriges Ich einfach stellvertretend für
„Autorin“ - also jemand, der diese wundervollen Geschichten erschafft, in die
ich so gerne eintauchte! Über den Menschen Astrid Lindgren wusste ich damals
nicht viel, erst viel später habe ich mehr über sie erfahren, was mich sehr
berührt hat.
Ich erinnere mich, dass ich mich sehr verbunden gefühlt habe - und daran hat sich nichts geändert - mit Pippi Langstrumpf (obwohl meine lieben Eltern wirklich alles daran gesetzt haben, mich zu einer Annika zu erziehen) und mit Ronja Räubertochter. Ich war immer eine ziemliche Einzelgängerin, doch die beiden hätte ich sehr gerne in meiner Welt gehabt.
Kannst Du Dich noch an weitere Bücher erinnern, die Du als Kind gerne gelesen hast?
Wo soll ich anfangen ... ;) mit
vier Jahren habe ich meine Mutter drangsaliert, mir vor dem Schlafengehen das
Alphabet zu zeigen. Wenig später nahm meine Leseleidenschaft mit den vier
Buchstaben der örtlichen Tankstelle ihren Anfang. Seither verschlinge ich
Buchstaben.
Ich hatte und habe unzählige
Lieblingsbücher. Fast alle Bücher, die ich gelesen habe, haben mich auf die
eine oder andere Weise berührt. Aus meiner Kinderzeit sind mir besonders die
Bücher von Michael Ende ans Herz gewachsen, als Pferdemädchen und Abenteuerfan
natürlich auch Serien wie „Bille und Zottel“, „Fünf Freunde“, die „Drei ???“
oder Jo Furmingers „Pony Club“ Bücher.
Vielleicht ungewöhnlich,
vielleicht auch nicht: auch meine Kinderbibel, die Göttergeschichten der
römischen und griechischen Mythologie und die kindgerecht aufbereiteten
Lebensgeschichten verschiedener klassischer Komponisten haben mich sehr
fasziniert.
Etwas später kamen dann auch Cozy
Mystery und Detektivgeschichten dazu. Oh, und Fantasy. Drachen, Zauberer,
Fabelwesen ... ganz ehrlich - ich würde immer noch furchtbar gerne mal auf
einem Besen oder einem Drachen reiten :)
Auf Deiner Homepage habe ich gelesen, dass Du gerne liest, hast Du jetzt als Erwachsene Zeit dazu und welches Genre bevorzugst Du dabei?
Ich lese immer noch zwischen 25
und 50 Büchern pro Jahr. Als Business-Coach sind da natürlich jede
Menge Sachbücher dabei. Neben den klassischen Mindset-Themen interessieren mich
dabei auch natürliche Ernährung und Gesundheit, denn ohne eine stabile
Partnerschaft mit dem eigenen Körper wird’s auch mit dem beruflichen Erfolg
nichts.
Und dann ... natürlich nach wie vor auch zauberhafte Fantasy, spannende, humorvolle Krimis, sehr gerne auch die Bücher meiner Autoren-Kolleg*innen. Ich habe das Glück, ein paar sehr produktive und talentierte Selfpublisher zu meinen Freunden zählen zu dürfen. Das ist natürlich immer etwas ganz Besonderes :)
Wenn ich das richtig verstanden habe, hast Du noch einen zeitaufwendigen sogenannten Brotjob. Wann findest Du die Zeit um Bücher zu schreiben?
Ganz ehrlich - das frage ich mich
manchmal auch :D
Nein, im Ernst, ich denke das ist keine Frage des Könnens, sondern des Wollens. Momentan habe ich drei
Unternehmen, zwei Ehrenämter und ein sehr erfülltes Privatleben.
Ein wesentliches Erfolgsrezept
ist wohl, dass ich das Schreiben zu einem festen Bestandteil meines täglichen
Lebens gemacht habe. Es vergeht kein einziger Tag, an dem ich nicht schreibe.
An manchen Tagen sind es nur 20 kleine Wörter, manchmal werden es bis zu 10.000
- je nachdem, was mein Alltag gerade hergibt.
Ein weiterer wichtiger Punkt ist, dass ich etwa 80-90% meiner Bücher am Handy schreibe. Meine Software funktioniert online und offline und synchronisiert reibungslos über sämtliche meiner Geräte, so dass ich tatsächlich immer und überall schreiben kann: im Büro, auf dem Sofa, in öffentlichen Verkehrsmitteln, in der Toilettenschlange auf Rock-Konzerten, an der Supermarktkasse ... ich kann jede freie Minute nutzen, wenn ich das möchte - und so kommt ein Buch zum anderen ;)
Wie lange schreibst Du an einem Buch?
Das ist tatsächlich extrem
unterschiedlich. Ein paar meiner Bücher sind innerhalb von zwei Wochen
entstanden, andere haben ein ganzes Jahr gebraucht, bis ich dieses spezielle
Gefühl hatte: „Jetzt ist es fertig! Besser wird’s nicht.“
Ich schreibe auch nicht linear
ein Buch nach dem anderen, sondern meistens mehrere Bücher parallel. Es hängt
also auch immer ein bisschen davon ab, was ich gerade sonst noch schreibe.
Ich erwähnte ja bereits, dass Du als Nita Koning ein Buch geschrieben hast, es trägt den Titel „Malu – der kleine Flughund“. Gibt es noch weitere Pläne?
Oh ja! Wenn du wüsstest, was in
meinem Kopf los ist, würdest du mich wahrscheinlich für verrückt halten!
Neben Malu und seiner kleinen
Schwester Lily, die mir gerade ihr zweites Abenteuer erzählen, wohnen dort zur
Zeit noch Holly, eine junge Hexe, und ihr Pegasus. Außerdem klärt gerade eine
neugierige Krimiautorin mit Hilfe ihres Labradors und ihrer Ziege den Mord an
ihrem Vermieter auf. Ich bin schon sehr gespannt, wie das alles ausgeht :)
Du bist Mitglied im Self Publisher Verband und veröffentlichst Deine Bücher verlagsunabhängig, hast Du diese Entscheidung schon mal bereut?
Eigentlich nicht. Meine
Sachbücher haben häufig Themen zum Inhalt, die schnellen und häufigen
Änderungen unterworfen sind. Als Selfpublisher kann ich da unglaublich schnell
reagieren, meine Bücher überarbeiten und ein Update oder bei umfassenden
Änderungen gleich eine neue Auflage hochladen.
Als Verlagsautorin müsste ich
hier erst den Verlag von der Relevanz der Änderungen überzeugen und dann einen
vergleichsweise langwierigen Prozess abwarten. Abgesehen davon ist es für einen
Verlag möglicherweise höchst unrentabel, eine neue Auflage zu bringen, wenn
noch größere Bestände der alten Auflage auf Lager liegen. Auch das verzögert
den Prozess ... und ich muss gestehen: Geduld ist nicht mein zweiter Vorname ;)
Als Sachbuch-Autorin habe ich in
meinem Bereich eine anerkannte Expertise und meine Bücher behandeln
Spezial-Themen, die es anderweitig noch nicht gibt. Über meine
Unternehmer-Community erreiche ich meine Wunsch-Leser*innen vergleichsweise
leicht.
Bei Malu ist das anders. Die Story ist wirklich gut (habe ich gehört), doch ich erreiche damit einfach zu wenige Menschen. Ich habe keine Community und damit auch keine eigene Reichweite im Bereich Kinderbuch. Deshalb denke ich gerade ernsthaft darüber nach, für Malu einen geeigneten Verlag zu finden, der ihm das Fliegen besser beibringen kann, als ich.
Was bringt Dir diese Mitgliedschaft?
Ehrlich gesagt, das weiß ich noch
gar nicht so genau. Ich bin noch nicht lange dabei. Tom Oberbichler hat mir
davon erzählt, wie sich der Verband für die Selfpublisher einsetzt - ich finde
das ist eine gute Sache und möchte es gern unterstützen. Also bin ich
eingetreten :)
Und es hat sich bereits wieder
gezeigt, dass das Universum keinen positiven Gedanken unbeantwortet lässt: kaum
dabei, lerne ich hier so zauberhafte Menschen wie dich kennen, die uns
Autor*innen die Gelegenheit geben, Menschen unsere Bücher vorzustellen und
damit ihr Leben zu bereichern. Danke dafür :)
Wenn Du eine Zeitreise machen könntest, welchen Autor der Vergangenheit würdest Du gerne mal besuchen und weshalb?
Astrid Lindgren natürlich, weil
sie mich unbekannterweise so sehr inspiriert hat.
Außerdem würde ich sehr gerne mit
Goethe einen Cappuccino in Venedig
trinken, weil er so eine positive Haltung zum Leben hatte. Vielleicht
käme Schiller noch dazu und wir könnten uns über die spannenden
Eigenwilligkeiten der Menschheit austauschen?
Shakespeare würde ich gerne auf ein Bier in London treffen, einfach weil ich seinen hintergründigen Humor mag.
Wie immer stelle ich viele Fragen
und vergesse vielleicht doch die eine oder andere, deshalb gebe ich Dir hier
die Möglichkeit: was wolltest Du uns Lesern schon immer mal mitteilen?
Ja! Ich möchte DANKE sagen!
Unsere Bücher wären nur bedrucktes Papier (oder eine unnütze Sammlung von
Pixeln), wenn niemand darin eintauchen und etwas daraus mitnehmen würde!
Ganz besonders danken möchte ich
allen Menschen, die sich außerdem die Zeit nehmen, uns Autor*innen wissen zu
lassen, was unser Buch für sie bewirkt hat.
Ich kann das Gefühl kaum in Worte
fassen, wenn mir ein Leser eine eMail schreibt, oder ich eine neue Rezension
entdecke. Das geht unter die Haut, manchmal mehr als das Schreiben selbst.
Euer Feedback ist das Feuer unter
unserem Hintern an den Tagen, an denen wir müde sind, uns ideenlos fühlen,
unsere Helden in eine Ecke manövriert haben, oder aus sonst irgend einem Grund
unser Manuskript aus dem Fenster werfen möchten. Euretwegen schreiben wir in
diesen Momenten weiter. DANKE!
Zu guter Letzt möchte ich mich
bei Dir bedanken, dass Du Dir die Zeit genommen hast und Dich meinen Fragen
stellst.
Homepage klick hier
Samstag, 17. Oktober 2020
Autoreninterview - mal anders - KBV - Nachgefragt
Klaus Stickelbroeck (*1963) lebt in Kerken am Niederrhein und arbeitet als Polizeibeamter in Düsseldorf. Seinen ersten Kurzkrimi veröffentlichte er im Jahr 2000. Der erste Kriminalroman »Fieses Foul« erschien 2007. »Fischfutter« (2010) wurde für den Friedrich-GlauserPreis als bester Kriminalroman des Jahres nominiert. Sein Serienermittler ist der Ex-Profifußballer und Privatdetektiv Hartmann. Stickelbroeck ist zudem einer der fünf »Krimi-Cops«, deren sechs Kriminalromane, zuletzt »Goldrausch« (2018), ebenfalls bei KBV erschienen sind. www.klausstickelbroeck.de, www.krimi-cops.de
Klaus Stickelbroecks „Kommissar Hartmann“ verstrickt sich
Guten Tag, Herr Stickelbroeck. Privatdetektiv Hartmann ist wieder im Düsseldorfer Nachtleben auf Mörderjagd unterwegs. Dieses Mal schicken Sie ihn auf Ermittlungstour in die BDSM-Szene. Was hat Sie denn für den neuen Hartmann-Roman zur Recherche in diesem Milieu inspiriert?
Klaus Stickelbroeck: Als alter Düsseldorfer hat Hartmann in den ersten Romanen in seinem vertrauten Wohnzimmer ermittelt. In seiner Heimatstadt kennt er sich aus, da kennt man ihn, da weiß er, was Sache ist. Ich lasse ihn jetzt in einer Szene ermitteln, die er sich neu erarbeiten muss. Ich fand es total spannend, ob und wie sich Hartmann auf unbekanntem Geläuf durch die turbulenten Situationen manövriert. Die BDSM-Szene kommt in sich geschlossen, leicht verrucht und verwegen daher. Ich war selbst gespannt, Hartmann bei seinen sehr temporeichen Ermittlungen am Limit zu beobachten.
Sie sind nicht nur als Krimiautor, sondern auch als Polizist in Düsseldorf tätig. Inwieweit sind reale Erfahrungen aus Ihrem Polizistenleben in den Roman „Fesseltrick“ eingeflossen?
Klaus Stickelbroeck: Das ist eine der spannenden Seiten meines Berufs, nämlich dass man als Polizist Menschen kennenlernt, die man sonst nicht kennenlernen würde und an Orte kommt, wo man vielleicht sonst so nicht unbedingt hinkäme. Über die Jahre kommt da einiges an einschlägigen Einsätzen zusammen. Ich sag immer, ich bin in jedem Club Düsseldorfs gewesen und hab hinter viele Kulissen gucken können. Herrlich. Und dann schaue ich genau hin, es kann ja immer was für den nächsten Krimi dabei sein. Davon profitiert gerade Fesseltrick enorm. Da ließ sich einiges einarbeiten, was die Szenen und handelnden Personen dann im Buch authentisch wirken lässt.
Im nun achten Band der Hartmann-Reihe sind die bekannten „schrägen Vögel“ rund um den Ermittler auch wieder mit von der Partie: Regenrinnen-Rita, Nachbar Jonny, die smarte Computerspezialistin Alina mit den blauen Haaren, Angie und Huren-Heinz. Mithilfe seiner Kumpels gelingt es Hartmann sicherlich auch dieses Mal wieder, Licht ins Dunkel zu bringen. Was ist das Geheimnis ihres Ermittlungserfolgs?
Klaus Stickelbroeck: Hartmann ist ein pfiffiger, schlagfertiger Privatdetektiv, der mit fast allen Wassern gewaschen ist, aber seine Fälle bekäme er alleine nicht gelöst. Glücklicherweise kann er sich auch dieses Mal auf sein Netzwerk verlassen, das beinahe wie ein gut sortierter Werkzeugkasten funktioniert. Einbrecherkumpel Angie hilft Hartmann Türen zu öffnen, wenn der keinen Schlüssel hat, die über zwei Meter große Regenrinnen-Rita behält die Übersicht, Alina drückt am PC die richtigen Tasten, der muskulöse Jonny guckt grimmig, wenn es grob wird. Es macht mir einen Heidenspaß Situationen zu entwerfen, in denen Hartmanns Clique zeigen kann, was sie drauf hat. Es entsteht ein turbulentes Geben und Nehmen, das mir total sympathisch ist. Erst genau diese verwegenen, schrägen Typen machen Hartmann erfolgreich. Ein bisschen bin ich ja auch Hartmanns Kumpel.
Ihre schräg-komischen Figuren-Ensembles scheinen Sie mit schlagfertigen Frauen, frivolen Finnen, trinkfesten Schlagerstars und braven Ehefrauen, die alles andere sind als das, im aktuellen Krimi noch weiter ausgebaut zu haben. Wie haben sich die Charaktere der Hauptfiguren Hartmann & Co. im Vergleich zum Debütroman weiterentwickelt?
Klaus Stickelbroeck: Das ist der große Vorteil einer Krimi-Reihe. Neben der Hauptfigur bekommen auch alle anderen Figuren in den Romanen die Chance, sich zu entwickeln. So behaupte ich im Debüt einfach, dass die als Prostituierte arbeitende, schwach drogensüchtige Regenrinnen-Rita eine treue Freundin ist. Erst in einem späteren Roman zeigt Rita mit viel Platz im Krimi, warum sie eine so tolle, liebenswerte Person ist. Und der Leser denkt, alles klar, deshalb schätzt Hartmann sie so sehr. Genauso Jonny. Von Roman zu Roman merkt man nach und nach, dass der schweigsame, Taxi fahrende Medizinstudent aus Ghana gar nicht so harmlos ist, wie er immer wortkarg daher kommt. Herrlich undurchsichtig. Über die Romane hinweg blitzt und schimmert es düster unter der Oberfläche, fügt sich ein unheimliches Puzzlestück ans nächste. Ehrlich, ich liebe Jonny, aber ganz geheuer ist er mir nicht. Ich bekomme manchmal beim Schreiben eine Gänsehaut. Mit dieser Figur bin ich noch lange nicht fertig. Und HurenHeinz? Hartmanns Lieblingszuhälter lernen wir in Fesseltrick von einer ganz speziellen Seite kennen. Da war ich selbst überrascht ... Und - zuletzt noch erwähnt - macht es riesig Spaß zu beschreiben, wie die Anderen auf einen sich stetig weiterentwickelnden, professioneller werdenden Hartmann reagieren. Auch das muss in einer KrimiReihe stimmig sein.
Neben dem Zeichnen von Figuren sind Dialoge Ihre große Stärke. Bringt das der Umgang mit sich? Als Polizist haben Sie viel mit Menschen unterschiedlichster sozialer Schichten zu tun. Sammeln Sie vielleicht auch Sprachfetzen, die Sie auf der Straße aufgreifen, um sie dann in Ihre Krimis einzubauen?
Klaus Stickelbroeck: Oh ja, das ist fast ein Hobby für sich. Ich liebe schräge Dialoge, ich sammle sie. Tatsächlich auch im Dienst mit den unterschiedlichsten Menschen. Ich höre hin und denke manchmal, das ist was für Hartmann. In Fesseltrick ist die Fanta-Szene aus dem Restaurant Fuchsjagd so eine. Großmutter und Enkel am Nachbartisch. Großmutter möchte, dass ihr Enkel Apfelsaft bestellt, er will Fantaaaaa. Hartnäckig. Keinen Apfelsaft. Die Szene habe ich eins zu eins so erlebt. Das kann man sich nicht ausdenken. Fantaaaaa! Darüber hinaus kann man mit einem guten Dialog die Handlung zügig nach vorne treiben und herrlich Stimmungen rüberbringen. Jede Schicht hat ihre Sprache. Und tatsächlich drückt sich Huren-Heinz anders aus, als Hartmanns 80-jährige Nachbarin Heidi. Also meistens. Was für Dialoge gilt, gilt auch für einzelne Worte. Kippenigel. Oder: er hebelschnackte die Bierflasche auf. Ich liebe das. Da höre ich genau hin.
Nach dem Spiel ist vor dem Spiel – heißt es so schön im Fußball. Hand aufs Herz: Arbeiten Sie schon an einem Folgeroman? Und: Worin wird sich Hartmann dann verstricken?
Klaus Stickelbroeck: Oh ja, es wird sicher noch weitere Hartmann-Krimis geben. Ich möchte nichts verraten, aber es werden im Fesseltrick eine ganze Menge Stricke ausgelegt, mit denen man noch prima Knoten machen kann. Oder Schlingen. Tja, und der neue Krimi der Krimi-Cops soll im nächsten Jahr ja auch fertig werden. Es gibt noch viel zu morden. Äh, tun. Viel zu tun.
Herzlichen Dank für das Interview.
Samstag, 10. Oktober 2020
Autoreninterview - Katharina Lankers
Liebe Katharina,
ich freue mich, dass Du Dich meinen Fragen stellen möchtest. Zunächst schreibe
ich ja immer etwas darüber, wie ich meine Interviewpartnerin kennen gelernt
habe. Die meisten Autoren, die ich interviewt habe, konnte ich auf der einen
oder anderen Buchmesse treffen. Wir beide kennen uns jetzt „nur“ durch meine
Mitgliedschaft im Bloggerportal des Selfpublisher-Verbandes. Bevor ich mit
meinen Fragen loslege, informiere ich mich gerne über meine Interviewpartnerin
und schon geht es los.
Liebe Ulla, ganz herzlichen Dank für dein Interesse!
Ich habe gelesen, dass Du es schon früh geliebt hast, Dir Geschichten
auszudenken und aufzuschreiben. Gerne würde ich jetzt wissen, wie „früh“ war
das?
Das war schon in der Grundschule, so ab der zweiten / dritten Klasse: Ich fand
es immer toll, wenn wir Aufsätze schreiben durften. Gerne habe ich auch
außerhalb der Schule geschrieben, beispielsweise Theaterstücke, die ich
zusammen mit meiner kleinen Schwester einstudiert und meinen Eltern vorgeführt
habe
Gibt es davon noch Aufzeichnungen?
Ja, neben ein paar alten Schulheften habe ich noch das Original meines
illustrierten Dramas „Das Reh Flecki“, das von einem verwaisten Reh handelt
und leider unvollendet geblieben ist. Außerdem das Theaterstück „Fips und
Strolchi“, das ich mit etwa 11 Jahren geschrieben habe. Einen kleinen Eindruck
davon kann man sich auf meiner Webseite verschaffen
Du bist Mathematikerin und hast einen zeitaufwendigen, so genannten Brotjob,
wann hast Du Zeit zum Schreiben?
Das ist in der Tat ein Problem, vor allem seit ich so aktiv im
Selfpublisher-Verband bin. Generell sind die Abende, Wochenenden und Urlaube
fürs Schreiben und alles drumherum reserviert. Das heißt, wenn ich von der
Arbeit nach Hause komme, beginnt quasi mein Zweit-Job, der nur noch mit der
Zeit konkurriert, die ich mir fürs Wandern und Walken im Grünen nehme. So
etwas wie „Frei-Zeit“ habe ich eigentlich nie…
Wie lange schreibst Du an Deinem Buch?
Sehr lange. Von der ersten Idee bis zum fertigen Buch sind bisher immer
mehrere Jahre vergangen.Bis ich aus meinem ersten Romanentwurf schließlich eine Veröffentlichung gemacht habe
(„Woanders blühen die Kastanien“), hat es siebzehn Jahre gedauert! Für mein
Debüt, den „Himmel über München“ brauchte es dagegen NUR sieben Jahre 😉
Das heißt aber natürlich nicht, dass ich so lange daran schreibe, vielmehr
gibt es immer wieder lange Phasen, in denen so ein Projekt bei mir reifen
muss.
Wer darf Deine Bücher als erstes lesen?
Zwei meiner engsten Schreibfreundinnen und zwei Bloggerinnen, mit denen ich
seit meiner Erstveröffentlichung zusammenarbeite. So bekomme ich wertvolles
Feedback, das ich einarbeiten kann, bevor ich es meiner Lektorin schicke.
Du hast erwachsene Kinder, was sagen sie denn dazu, dass ihre Mutter Bücher
schreibt?
Sie finden es cool😊
Geben sie Dir manchmal auch Anregungen und liefern Ideen?
Auf jeden Fall, wenn auch unabsichtlich. Meine Kinderbuchreihe habe ich
beispielsweise ursprünglich für meinen jüngsten Sohn geschrieben, um ihn im
Grundschulalter zum Lesen zu motivieren. Und in meinen letzten Roman sind jede
Menge der wundervollen kindlichen Formulierungen und originellen
Wortschöpfungen eingeflossen, mit denen sie mich im Kleinkindalter beglückt
haben (und die ich natürlich fast alle aufgeschrieben habe)
Du scheinst sehr vielseitig zu sein, in welchen Genres hast Du bereits Bücher
geschrieben?
Da ich eigentlich nicht in Genres denke, sondern in Geschichten oder Gedanken,
die aus meinem Herzen aufs Papier wollen, ist bisher ein bunter Mix
herausgekommen: zwei Liebes- bzw. Entwicklungsromane, eine Art humorvolles
Roadmovie als Kurzroman, eine Kinderbuchreihe für Erstleser und zuletzt eine
autobiografische Erzählung von meinem Jakobsweg. Außerdem habe ich einen
bisher unveröffentlichten Lyrikband auf Lager und etliche Kurzgeschichten,
Kurzprosa und Gedichte, die zum Teil in Anthologien erschienen sind.
Du darfst hier ruhig etwas Werbung für Deine Bücher machen und mir zum
Beispiel erklären, warum ich ein bestimmtes Buch von Dir lesen sollte, oder
vielleicht mehrere?
Mit deinen Lieblingsgenres Krimi und historische Bücher kann ich zwar nicht
dienen, aber da du auch Gegenwartsliteratur magst, könnte mein Roman „Woanders
blühen die Kastanien“ vielleicht etwas für dich sein. Darin geht es um
Selbstwertgefühl, Lebensträume, das Muttersein und einen Neustart, bei dem
sich die Protagonistin Maggie aus ihrer festgefahrenen Situation
freistrampelt. Mit deiner Lebenserfahrung gefällt dir vielleicht auch die
Liebesgeschichte von Simon und Theresa in „Der Himmel über München“, die sich
über mehrere Jahrzehnte erstreckt und bei der man – mit einem Augenzwinkern –
den Schutzengeln der beiden bei der Arbeit über die Schulter schauen darf und
so einen ganz anderen Blick auf das Geschehen auf Erden bekommt. Und solltest
du schon mal mit einer Pilgerreise geliebäugelt haben, oder falls es dich
interessiert, wie ich aus einem heftigen emotionalen Tief auf dem Jakobsweg
wieder auf die Beine gekommen bin, kann ich dir meine Reiseerzählung „Schritt
für Schritt zur eigenen Mitte“ empfehlen.
Ich habe eine Aufstellung Deiner Lieblingsbücher gesehen, die ich sehr
interessant fand. Bei den Kinderbüchern habe ich die vermisst, die ich als
Kind gerne gelesen habe. Hast Du Bücher von Enid Blyton oder Astrid Lindgren
gelesen?
Oh ja, und wie ich die verschlungen habe! Von Enid Blyton hatte ich alle
„Geheimnis“- und „Fünf Freunde“- Bücher, ich kannte sie fast auswendig. Und
von Astrid Lindgren habe ich neben Pippi Langstrumpf ganz besonders die
„Kinder aus Bullerbü“ geliebt. In meinem heutigen Bücherregal stehen diese
Bücher allerdings nicht mehr, weswegen sie auf meiner Liste nicht auftauchen.
Bei dieser tollen Liste stelle sich mir direkt die nächste Frage, wenn Du eine
Zeitreise machen könntest, welchen Autor der Vergangenheit würdest Du besuchen
und weshalb.
Da gibt es so einige! Astrid Lindgren zu treffen fände ich toll, weil sie so
eine spannende Biographie hat, und ich gerne mehr von ihr persönlich erfahren
würde. Michael Ende würde ich wahnsinnig gerne besuchen und mit ihm über den
Sinn des Lebens, die Zeit und die Stundenblumen philosophieren. Und mit
Christian Morgenstern und Robert Gernhard würde ich am liebsten ein paar
Nachmittage im Café verbringen und gemeinsam unter viel Gelächter abgefahrene
Reime dichten!
Du hast Dich entschieden, Deine Bücher als Self Publisherin zu
veröffentlichen, hast Du diese Entscheidung schon einmal bereut?
Nein, im Gegenteil. Da mein erster Roman im Verlag erschienen ist, habe ich ja
den direkten Vergleich. Ich bin froh, bei meinen SP-Titeln alle Entscheidungen
selbst treffen zu können und komplett unabhängig zu sein, auch wenn es
natürlich viel Arbeit ist, sich um alles selbst zu kümmern.
Im Self Publisher Verband bist Du auch sehr aktiv, wie wichtig ist Dir die
Zugehörigkeit?
Ich finde es toll, mich mit anderen Selfpublisher:innen auszutauschen,
voneinander zu lernen und sich gegenseitig zu unterstützen. Außerdem bietet
der SP-Verband die Möglichkeit, auf Messen präsent zu sein, tritt für die
Rechte von SP-lern ein und gibt ihnen eine Stimme. Und wir organisieren so
großartige Dinge wie den Selfpublishing-Buchpreis! Wie wichtig mir das ist,
sieht man daran, dass ich seit letztem Jahr sogar im Vorstand aktiv bin und
auch fürs kommende Jahr wieder kandidieren werde 😊
Hast Du zu Lesern und Bloggern Kontakt?
Ja, unbedingt. Natürlich zunächst virtuell über Facebook und Instagram, aber
ich freue mich ganz besonders über den persönlichen Kontakt. Deshalb halte ich
oft und gerne Lesungen und bin (zu Nicht-Corona-Zeiten) viel auf Messen
präsent und verabrede mich dort z.B. für Meet&Greets. Es ist jedesmal eine
Riesenfreude, eine Leserin oder Bloggerin persönlich zu treffen, den/die ich
nur von Facebook kannte.Ich hoffe, auf der nächsten Messe, die nicht nur digital stattfindet, lernen wir
uns auch einmal persönlich kennen!
Welche Pläne hast Du für die Zukunft?
In unmittelbarer Zukunft erscheint erstmal eine Neuauflage meines Debütromans
„Der Himmel über München“, mit überarbeitetem Text und in einem neuen Gewand,
auf das ich mich riesig freue. Dann hoffe ich, dass ich im kommenden Winter
endlich einen der angefangenen Romane fertig schreiben kann, die mir schon
lange im Kopf herumspuken. Außerdem möchte ich meinen Lyrikband fertigstellen
und gerne wieder mehr literarisch herumexperimentieren und vielleicht neue
Genres ausprobieren. Meine Ideen platzen aus allen Nähten und ich hätte gerne
mehr Zeit zum Schreiben, daher habe ich meinen Brotjob vor Kurzem auf 80
Prozent reduziert. Ganz definitiv wird es im Jahr 2021 wieder eine
Veröffentlichung geben – lasst euch überraschen, welches Genre es diesmal
wird!
Wie immer frage ich viel und vergesse doch schon mal das eine oder andere,
deshalb gebe ich Dir hier die Gelegenheit… was wolltest Du uns Lesern schon
immer mal sagen?
Ich würde gerne nochmal darauf hinweisen, dass wir Autor:innen ja (unter
anderem) schreiben, um euch, liebe Leser:innen zu unterhalten, zum Nachdenken
zu bringen und euch interessante, spannende, beschauliche oder fröhliche
Stunden zu bescheren. Je mehr Rückmeldungen wir bekommen, wie gut das gelingt,
umso besser können wir daran arbeiten, besser zu werden. Daher habt bitte
keine Scheu, uns zu sagen oder zu schreiben, was euch gefallen hat und was
weniger gut. Ob es eine Rezension ist oder ein persönlicher Kontakt – jedes
Feedback hilft! So habe ich beispielsweise das umfangreiche Leserfeedback zu
meinem Debütroman genutzt, um das Manuskript zu überarbeiten und demnächst
eine zweite, verbesserte Auflage zu veröffentlichen. Ohne eure vielfältigen
Meinungen hätte ich das nicht geschafft – danke!😊
Zum Schluss möchte ich mich vielmals dafür bedanken, dass Du Dir die Zeit
genommen und meine Fragen beantwortet hast.
Ich bedanke mich ganz herzlich für deine Zeit und Mühe, für die tollen Fragen
und dass du mir einen Platz auf deinem schönen Blog gewährst!
Mehr über die Autorin könnt Ihr hier erfahren:
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Dienstag, 6. Oktober 2020
Autoreninterview - Cornelia Lotter
Liebe
Cornelia,
ich freue
mich, dass Dich meinen Fragen stellen möchtest. Bevor ich aber damit loslege,
möchte ich kurz etwas dazu schreiben, wie und wann wir uns kennen gelernt
haben. Natürlich habe ich Dich auf einer der Buchmessen getroffen, die ich in
den letzten Jahren gerne und regelmäßig besucht habe. Bei meiner „Recherche“
stellte ich dann fest, dass wir im Jahr 2014 bei Facebook den ersten Kontakt
hatten. Seitdem ist natürlich vieles geschehen. Du hast viele Bücher
geschrieben und bist nach Leipzig gezogen, um noch einmal so richtig
durchstarten zu können.
Wie kam es zu diesem Ortswechsel?
Nachdem ich
immer „nur nebenbei“ geschrieben habe und mein „Brotjob“ mich immer mehr
genervt hat, habe ich beschlossen, noch einmal völlig neu durchzustarten.
Ausschließlich das zu machen, was ich eigentlich mein Leben lang machen wollte:
Schreiben. Damit verbunden sollte auch ein Ortswechsel sein, weil der Vorort
von Tübingen, in dem ich seit 31 Jahren gelebt hatte, doch sehr provinziell
war. Es gab einfach zu wenig geistig-kulturellen Austausch, und ich wollte mich
auch selbst in die Kulturszene mehr einbringen, als das in Tübingen möglich
war. Also schaute ich nach möglichen Zielen und blieb gleich bei Leipzig
„hängen“. Auch weil ich dort schon seit einigen Jahren für meine Leipzig-Krimis
recherchiert habe und dadurch auch schon einige nette Menschen kannte.
Ich habe gelesen, dass Du schon sehr früh mit dem Schreiben hast. Verstehe ich das richtig, also schon als Jugendliche? Was hast Du damals geschrieben und gibt es davon noch Aufzeichnungen?
Ich habe mit
dem Schreiben begonnen, gleich nachdem ich das Alphabet beherrschte. Zunächst
Märchen (mit entsprechenden Zeichnungen auf Butterbrotpapier), später dann
Geschichten über den Schulalltag, angehimmelte Sänger (Bernd Clüver und Brian
Connelly von Sweet) und eben den Prinzen, der allerdings nie mit seinem weißen
Ross in meine Dorfeinöde geritten kam. Beim letzten Umzug habe ich all diese
Ergüsse dann entsorgt. Man hat ja immer weniger Platz. Gedichte habe ich auch
schon immer geschrieben. Es wurden auch viele in Zeitungen, Zeitschriften und
Anthologien abgedruckt, teils auf Initiative meines Deutschlehrers. Irgendwann
hatte ich auch mal eine Phase, da habe ich „utopische Romane“ geschrieben. In
der Zeit habe ich mich stark von Stanislaw Lem „inspirieren“ lassen, aber auch
Jules Verne fand ich toll.
Du bist in der DDR aufgewachsen und hattest sicherlich nicht Kinderbücher zur Verfügung, die wir Kinder im Westen lesen konnten. Hast Du als Kind viel gelesen und wenn ja, woran kannst Du Dich erinnern?
Wir hatten
das Glück, eine Dorfbibliothek zu haben, in der ich Stammgast gewesen bin. Ich
habe ununterbrochen gelesen, teils nachts mit der Taschenlampe unter der
Bettdecke. Wenn ich nicht gelesen habe,
habe ich geschrieben. Meine Mutter musste mich immer raus an die frische Luft
jagen, wenn ich mich wieder in meinem Zimmer vergraben hatte.
Ich habe gesehen, was Du beruflich im Osten und auch im Westen, nach der genehmigten Ausreise gemacht hast. Wann hast Du eigentlich so richtig mit dem Schreiben begonnen?
Kurzprosa und Lyrik, wie oben schon geschrieben, eigentlich immer. Die ersten Romane entstanden dann 2000. Das war nach einer schlechten Diagnose, die in mir den Kreativitätsmotor angeschmissen hat. Er ist bis jetzt noch nicht zum Stillstand gekommen.
Hattest Du neben Deinem Brotjob noch Zeit dazu?
Nach der
Geburt meines Sohnes 1993 habe ich ohnehin nur noch Teilzeit gearbeitet. Daran
hat sich bis zum Schluss nichts geändert. Dadurch hatte ich auch immer genug
Zeit zum Schreiben.
Hast Du jetzt noch Zeit, Bücher Deiner Kollegen zu lesen?
Ich lese nach wie vor sehr viel. Und tatsächlich hauptsächlich Bücher von KollegInnen aus dem Selfpublishing. Ich muss doch wissen, was die so machen…
Wie findest Du die Ideen zu Deinen Büchern?
Die Ideen
finden eher mich. Zeitungsartikel, Reportagen, Berichte, Dinge, die um mich
herum geschehen. Es gibt mehr Interessantes, als ich in Romanen verarbeiten
kann. Gegenwärtig schreibe ich an einem Roman, zu dem mich ein Leser und
Kollege gebracht hat. Obwohl ich mich erst dagegen gewehrt hatte, weil die
Protagonistin nicht gerade als Identifikationsfigur taugt, also alles andere
als eine positive Heldin ist, hat mich die Geschichte dann doch gepackt. Ich
liebe Herausforderungen!
Wie lange schreibst Du an Deinem Buch?
Das ist
unterschiedlich und kommt auf den Umfang der notwendigen Recherchearbeit an.
Das geht von der Idee bis zum fertigen Buch irgendwas zwischen 3 Monaten und
einem Dreivierteljahr. Es kommt natürlich auch auf die Länge an. Für meine
Kurzromane mit ca. 150 Seiten brauche ich natürlich nicht so lange.
Wer darf das Buch als erstes lesen?
Meistens
habe ich Testleser, die sich von sich aus melden und bewerben oder ich starte
einen Aufruf oder ich frage sie konkret an, ob sie Zeit haben.
Wie sieht heute Dein Autorenalltag aus?
Nach dem
Frühstück ist erst Mal Social Media angesagt. Ich bin ein Morgenmuffel und
brauche lange Anlaufzeit. Vor halb zehn bin ich selten in der Lage, einen
vernünftigen Satz zu schreiben. Danach wird bis Mittag gearbeitet und dann am
Nachmittag nochmal ein paar Stunden, je nachdem, was ich sonst noch für Termine
habe.
Was hast Du noch alles geplant?
Gerade habe
ich, wie schon gesagt, den Roman mit der schwierigen Protagonistin angefangen.
Im Hintergrund läuft aber schon seit Monaten die Recherche für einen großen
Roman über den kommunistischen Widerstand während der NS-Zeit in Leipzig. Da
hängen die Archive mit der Bereitstellung bestimmter Materialien wegen Corona
arg hinterher.
Du veröffentlichst Deine Bücher als Self Publisherin, hast Du diese Entscheidung schon einmal bereut?
Nein, diese
Entscheidung habe ich noch nie bereut. Die Möglichkeit schnell und ohne dass
mir jemand reinredet zu veröffentlichen, was ich will, ist einfach unschlagbar
toll.
Die Idee zu diesem Interview kam, weil ich nun Mitglied in der Bloggerlounge des Self Publisher Verbandes bin und meine, dass verlagsunabhängige Autoren bekannter gemacht werden sollen. Du bist Mitglied im Verband. Was bedeutet das für Dich?
Ich finde es
gut und wichtig, dass wir Selfpublisher unsere Kräfte bündeln, um dem
Selfpublishing in der Gesellschaft mehr Aufmerksamkeit zu verschaffen, uns
gegenseitig zu unterstützen und fortzubilden.
Auf Deiner Homepage habe ich gesehen, dass Du auch Lesungen machst. Wie wichtig ist Dir das?
Lesungen
mache ich sehr gern. Ich bin eine richtige Rampensau. In Tübingen habe ich
regelmäßig eigene Programme mit Musik auf die Bühne eines kleinen Theaters
gebracht. Auch hier in Leipzig habe ich schon viele tolle und auch gut besuchte
Lesungen abgehalten und bedaure sehr, dass es in diesem Jahr wegen Corona so
selten möglich gewesen ist. Der Austausch mit dem Publikum ist mir dabei am
wichtigsten. Die unmittelbaren Reaktionen zu sehen, hinterher Fragen zu
beantworten und mit den Zuhörern zu diskutieren, das ist ein guter Ausgleich zu
dem doch einsamen Schreiben zu Hause.
Wie wichtig ist Dir der Kontakt zu Bloggern und Lesern?
Auch das ist
mir sehr wichtig, ich freue mich immer tierisch, wenn mir ein Leser/ eine
Leserin eine Mail schreibt, dass und warum ihnen ein Buch von mir gut gefallen
haben. Dadurch sind schon viele gute Kontakte entstanden. Aus Bloggerkontakten
sind schon reale Freundschaften entstanden.
Wenn Du eine Zeitreise machen könntest, welchen Autor der Vergangenheit würdest Du gerne besuchen und weshalb?
Da ich durch
meinen Geburtsort und zeitweiligen Wohnort Weimar ja vorbelastet bin, würde ich
schon gern mal mit dem alten Herrn Geheimrat Kaffeetrinken und über sein
Frauenbild diskutieren.
Nun habe ich wie immer sehr viel gefragt und bestimmt auch wieder etwas vergessen, hier hast Du nun die Möglichkeit, uns Lesern das mitzuteilen, was Du uns schon immer mal sagen wolltest.
Ich möchte alle Leserinnen und Leser bitten, wenn sie ein Buch gelesen haben, auch eine kurze Rezension auf der entsprechenden Plattform zu verfassen. Das ist für uns verlagsunabhängige Autoren immer besonders wichtig. Gern können dort auch kritische Bemerkungen gemacht werden. Es müssen keine Lobeshymnen sein. Aber ein feedback ist immer schön.
Ach ja, ich veröffentliche ja noch unter 5 Pseudonymen. Wer also auch mal etwas ganz anderes (Autobiografisches, Erotik, heitere Frauenliteratur) lesen möchte, kann sich gern per Mail an mich wenden. Ich teile dann gern meine Pseudonyme mit.
Über einen Besuch auf meiner Website www.autorin-cornelia-lotter.de freue ich mich auch.
Zum Schluss
möchte ich mich bei Dir vielmals bedanken, dass Du Dir die Zeit genommen und
meine Fragen beantwortet hast.
Was für eine Schnapsidee!









