Sonntag, 1. November 2020

Autoreninterview Karin Joachim

Liebe Karin,

ich freue mich, dass Du Dich meinen Fragen stellen möchtest. Wir beide haben uns bisher noch nicht auf einer Buchmesse getroffen und deshalb „nur“ schriftlichen Kontakt. Dieser Kontakt entstand durch eine Empfehlung eines lieben Bloggerkollegen. Er gab mir den Hinweis zu einem Deiner Bücher und ich habe mich dann bei Dir gemeldet. Inzwischen habe ich mit Begeisterung einige Deiner Bücher gelesen und werde jetzt auch sofort mit meinen Fragen loslegen.

Danke, liebe Ulla. Ich freue mich sehr auf Deine Fragen. Unser persönliches Treffen holen wir bald nach.


Als freie Autorin hast Du einige Jahre für verschiedene Zeitschriften gearbeitet. Wie kam es, dann Du mit dem Schreiben „richtiger“ Bücher angefangen hast?

Romane zu schreiben, war immer mein Traum. Ich hatte zeitlebens Ideen für ganz verschiedene Geschichten im Kopf, schrieb auch hin und wieder, aber es bestand einfach keine Gelegenheit, mich ausgiebiger damit zu beschäftigen. Bis 2009 habe ich ein Museum geleitet, danach schrieb ich vorwiegend Fachartikel und Sachbücher. Im Rahmen meiner Recherchen für meinen Reiseführer durch das Ahrtal stieß ich auf eine historische Begebenheit, die meine Fantasie beflügelte. Daraus entstand dann die Idee für meinen ersten Ahr-Krimi „Krähenzeit.“

 

Ich kenne von Dir einige Krimis. Wie bist Du auf die Idee gekommen, in diesem Genre zu schreiben?

Die Idee zu meinem ersten Krimi fand mich. Außerdem spukte mir schon eine Weile eine Protagonistin im Kopf herum: Eine Tatortfotografin. Krimis sind für mich eine geeignete Möglichkeit, die Geschichten spannend zu erzählen. In meinen Krimis verwebe ich gerne reale historische Ereignisse mit der Gegenwart.

 

Hast Du mal darüber nachgedacht, Bücher in einem anderen Genre zu schreiben?

Ich schreibe ja bereits zeitgeschichtliche Romane. In „Domschattenträume“ und „Großstadtflüstern“ macht sich die Kölner Fabrikantentochter Karolina Offermann auf ihren ganz eigenen Weg und versucht, dem Einflussbereich ihres Elternhauses zu entkommen. Sie möchte Filmschauspielerin werden. 1926 zieht es sie ins ferne Berlin.

 

Wie findest Du die Ideen zu Deinen Büchern?

Auf ganz unterschiedlichen Wegen. Ich lese sehr viel, vor allem auch Sachbücher. Besuche Museen, Ausstellungen, historische Orte, recherchiere in Archiven. Gute Ideen notiere ich. Und wenn sie ausbaufähig sind, entstehen daraus meine Romane.

 

Kann es vorkommen, dass während des Schreibens bereits neue Ideen auftauchen?

Während des Schreibens bin ich meist ganz in meiner Geschichte gefangen. Ich konzentriere mich dabei auf meine Protagonisten, versetze mich in sie hinein. Die Ideen für neue Projekte kommen eher bei den Recherchen und im Alltag. Die möglichen Fortsetzungen habe ich allerdings schon im Blick, wenn ich schreibe, denn was in den Folgebänden geschieht, muss vorbereitet und angelegt werden.

 

Wie hältst Du sie fest?

Ich habe dafür verschiedene Notizbücher, in die ich dann auch kleine Schnipsel wie Zeitungsartikel etc. klebe.

 

Wie lange schreibst Du an einem Buch?

Die reine Schreibzeit für die erste Fassung des Manuskriptes beträgt meist zwei bis drei Monate. Dann arbeite ich so konzentriert, dass ich in dieser Zeit keine weiteren Termine vereinbare, wenig schlafe und esse. Aber um so arbeiten zu können, muss ich umfangreich recherchiert haben. Die Recherchen können ein bis zwei Jahre dauern. Zunächst schreibe ich das Exposé, entwerfe Figurenbiografien und plotte. Nachdem die Erstfassung geschrieben ist, gibt es wiederum mehrere Korrekturdurchgänge, bevor das Manuskript überhaupt ins Lektorat geht. Alles in allem plane ich für einen Roman ein bis zwei Jahre ein, manchmal auch drei.

 

Wer darf es als erstes lesen?

Sehr gute Freund*innen.

 

Wie sieht Dein Autorenalltag aus?

Ich bin schon sehr diszipliniert. Mein Tagesablauf sieht vermutlich nicht sehr anders aus, als der anderer Berufstätiger. Allerdings arbeite ich oft bis spät in die Nacht, stehe dann am anderen Morgen trotzdem zeitig auf. Zum Glück erinnert mich mein Hund regelmäßig daran, dass ich auch Pausen machen muss. Bewegung an der frischen Luft ist so wichtig.

 

Ich habe gesehen, dass Du auch Lesungen machst, leider wurde in diesem Jahr alles ein bisschen ausgebremst. Wie wichtig ist Dir der Kontakt zu den Lesern?

Ich liebe Lesungen und den Austausch mit den Leserinnen und Lesern. Im Vorfeld stelle ich ein Programm zusammen, das durchaus unterhaltsam ist. Je nach Buchthema gibt es auch kleinere kabarettistische Einlagen. Für die Lesungen aus „Großstadtflüstern“ (erschienen im Sommer 2020) war die Zusammenarbeit mit Musikern geplant, die Filmmusik der 1920er-Jahre spielen. Das wäre etwas ganz Besonderes geworden.

 

Hast Du Zeit und Lust Bücher Deiner Kollegen zu lesen?

Ja. Aber da ich sehr viele Sachbücher und Fachliteratur lese, bleibt dafür eher wenig Zeit.

 

Wenn Du eine Zeitreise machen könntest, welchen Autor der Vergangenheit würdest Du gerne besuchen und warum?

Ich fände es spannend, mit Vicki Baum zu sprechen. Sie war eine sehr erfolgreiche Schriftstellerin, die z.B. 1929 den Roman „Menschen im Hotel“ schrieb, der auch mehrfach verfilmt wurde. Sie emigrierte in den 1930er-Jahren und starb 1960 in Los Angeles.

 

Hast Du als Kind gerne gelesen und wenn ja, an welche Bücher erinnerst Du Dich?

Ich habe als Kind gerne gelesen, aber ich war keine typische Leseratte. Ich habe immer schon gerne die Welt erkundet, Museumsbesuche, Besichtigungen historischer Stätten und Städte gehörten immer dazu.

 

Du lebst Deinen Traum, wann ist er zum ersten Mal aufgetreten?

Irgendwann in der Schulzeit. Einer meiner Berufswünsche war übrigens auch Kriminalkommissarin, weil ich es mag, Zusammenhänge zu ergründen.

 

Du bist als Verlagsautorin tätig, fühlst Du Dich dort gut aufgehoben?

Ja. Ich bin wirklich glücklich, dass der Gmeiner-Verlag meine Romane verlegt. Die Kontakte zu den Mitarbeiter*innen sind eng und die Zusammenarbeit mit meinem Lektor ist sehr konstruktiv.

 

Hast Du jemals den Gedanken gehabt, Bücher als Self Publisherin herauszubringen?

Bislang noch nicht. Ich mag es, in ein Team eingebettet zu sein.

 

Wie immer frage ich sehr viel und kann doch etwas vergessen haben, deshalb gebe ich Dir hier die Möglichkeit, uns Lesern zu sagen, was Du schon immer mal sagen wolltest.

Ich möchte mich an dieser Stelle ausdrücklich für die Unterstützung bedanken, die ich von Buchblogger*innen, Buchhändler*innen und natürlich den Leser*innen bislang erfahren durfte. Ich finde es bewundernswert, wie viel Arbeit sich Buchblogger*innen zuweilen machen, wie ausführlich sie unsere Bücher besprechen und wie liebevoll sie diese präsentieren. Über Rückmeldungen meiner Leser*innen freue ich mich besonders. Schreibt mir gerne, z.B. in den sozialen Netzwerken oder auch per persönlicher Nachricht. Mehr dazu gibt es auf www.karinjoachim.de.

 

Ganz zum Schluss frage ich gerne, was meiner Interviewpartnerin zu bestimmten Namen oder Begriffen einfällt:

BerlinEine spannende Stadt, vor allem in den 1920er-Jahren

Astrid LindgrenEine Frau mit einer interessanten Vita

RotweinDie Tatortfotografin Jana Vogt, die Protagonistin meiner Ahr-Krimis, liebt Rotweinkuchen.



Liebe Karin, ich möchte mich vielmals bei Dir bedanken, dass Du meine Fragen beantwortet hast

Herzlichen Dank, liebe Ulla, für diese interessanten Fragen.


Gerne möchte ich an dieser Stelle noch etwas zu dem Buch schreiben, das die Autorin in den Händen hält:


Großstadtflüstern

Köln 1927. Hin- und hergerissen zwischen Familie und den glänzenden Verlockungen der Reichshauptstadt fiebert Karolina Offermann ihrer Volljährigkeit entgegen. In Berlin lernt sie berühmte Schauspieler und Regisseure kennen und wähnt sich am Ziel ihrer Träume. Doch als die Polizei den Tod ihrer Mutter neu aufrollt, rückt Karolinas glanzvolles Leben als Filmstar in den Hintergrund. Während die Ermittlungen Unglaubliches zutage bringen, droht sie auch noch die Liebe ihres Lebens zu verlieren …


Wer noch mehr über Karin Joachim und ihre Bücher erfahren möchte, kann hier lesen:

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