Sonntag, 8. September 2013

Rezension - Die Duftnäherin


Autorin: Caren Benedikt

Titel: Die Duftnäherin

Genre: Historischer Roman

Version: Taschenbuch und eBook

erschienen: 28. August 2013

Seiten: 624

Altersempfehlung: Jugendliche und Erwachsene



Die Autorin Caren Benedikt, geboren 1971, wuchs in einer norddeutschen Kleinstadt auf. Sie absolvierte eine Ausbildung zur Rechtsanwalts- und Notarfachangestellten und arbeitete danach als freie Journalistin. Heute lebt sie gemeinsam mit ihrem Mann und ihren drei Kindern in einem kleinen Ort bei Bremen.

Kurzbeschreibung:
Anna kann mit 16 Jahren endlich von ihrem gewalttätigen Vater fliehen. Sie will nach Bremen, in den Geburtsort ihrer Mutter. Ihrem Vater wurde die falsche Spur nach Köln gelegt. Ihr Vater mischt in Köln eifrig mit, als es darum geht, weiteren Hass auf die Juden der Stadt zu schüren. Anna gerät auf ihrem Weg nach Bremen in viele brenzlige Situationen und kommt dank der Hilfe netter Menschen, die auch ihre Freunde werden, in der Stadt an. Aber irgendwie findet ihr Vater doch den Weg nach Bremen ....

Meine Meinung:
Die Handlung startet so richtig im Jahr 1349 in Lünen. Die 16jährige Anna  kann die Haft ihres Vaters nutzen und sich auf die Flucht begeben. Sie will Richtung Norden, erzählt aber dem Jungen, der sie bei ihrem Weggang beobachtet, dass sie nach Köln will. Was auch sehr gut war, denn die Armut mancher Menschen treibt sie dazu ihre Nachbarn gegen ein Entgelt zu verraten.
Allerdings kommt Anna nicht sehr weit, da sie es nicht gewohnt ist, sich vorsichtig durch den Wald zu bewegen, wird sie auch gleich von einem Mann angegriffen, der ihr Gewalt antun will. Glücklicherweise hilft ihr Gawin, ein Junge, der alleine  im Wald in einer Höhle lebt und sie auch gehört hat.
Die beiden beschließen zusammen zu bleiben und sich als Geschwister auszugeben. In einem Kloster wollen sie erst einmal ausruhen und sich neue Kleidung beschaffen. Gawin ist sehr geschickt und bekommt viele handwerkliche Aufgaben, Anna darf Kleidung für die Mönche nähen. Als sie aber weiterziehen will, weil sie sich als Frau nicht frei in dem Kloster bewegen darf, wird sie in einen Kerker eingesperrt. Weder Anna noch der Leser können nachvollziehen, warum das so ist.
Auf jeden Fall trifft sie ab jetzt immer wieder auf hilfsbereite Menschen und Anna und Gawin können sich endlich auf den Weg nach Bremen machen.
Irgendein Geheimnis gibt es im Leben von Anna und ich war neugierig, wann ich endlich etwas darüber erfahren werde. An dieser Stelle will ich auch nicht mehr über die Abenteuer der beiden schreiben, damit ich nicht alle Spannung vorweg nehme.
Annas Vater Helme, ein mir sehr unsympathischer Mensch, zieht inzwischen Richtung Köln und hinterlässt nicht nur eine Spur durch Morde, sondern wiegelt die Bürger von Köln richtig auf, um den Hass auf die Juden zu steigern. Es war damals leider so, dass die Menschen sehr schnell sogenannten Predigern glaubten und wenn der Mob erst einmal in Bewegung kam, dann nahm es oft ein schlimmes Ende.
Aus der Geschichte wissen wir ja alle, wie es sich in den vergangenen Hunderten von Jahren leider zugetragen hat. Es war ja wirklich auch oft der Neid, der die Menschen trieb. Ging des den Juden doch gut, weil sie die einzigen waren, die Geldgeschäfte tätigen durften. Die Autorin hat es prima verstanden, die Handlung um Anna wieder historisch zu hinterlegen und Dinge geschehen lassen, die leider genauso passiert sind oder auch hätten passieren können.
In diesem Buch gibt es zunächst drei Gruppen, um die es sich dreht. Anna und Gawin, das vermeintliche Geschwisterpaar. Margrite und ihre Truppe, die als Händler durchs Land zogen und alle nach Bremen wollten, denn  dort war Margrite als Bürgerin eingetragen und hatte ein Haus und als drittes Helme, Annas Vater und die Bürger von Köln. In einzelnen Kapitel wurde zwischen den Orten und Gruppen gewechselt, allerdings hatte ich nie die Übersicht verloren.
Das Schicksal führt viele Menschen zusammen. Anna und Gawin treffen in Bremen Margrite und dürfen bei ihr unterkommen. Das war gut, allerdings findet aus verschiedenen Gründen Helme ebenfalls den Weg dorthin und das ist überhaupt nicht gut. Aber so langsam klären sich einige Geheimnisse. Endlich erfährt der Leser, warum Anna im Kloster eingesperrt wurde und Anna findet etwas über ihre Familie heraus.
Entwicklungen, die man beim Lesen vorher gar nicht ahnen konnte. Gegen Ende des Buches wurde es auch immer spannender und wer mich kennt, weiß, dass ich spätestens zu diesem Zeitpunkt unbedingt ungestört lesen möchte.

Das Cover des Buches gefällt mir sehr gut. Allerdings hatte ich mir eine andere Geschichte unter diesem Buchtitel vorgestellt. Anna kann gut nähen und hat auch sehr gute Ideen, wie sie duftende Kleider an Damen des gehobenen Standes verkaufen kann. Aber dieser Teil spielt in dem Buch nur eine kleine und untergeordnete Rolle. Viel zu viel wurde meiner Meinung nach über die Schandtaten ihres Vaters berichtet. Ich wurde jedes Mal "böse", wenn sein Kapitel wieder dran war, ich war doch viel zu neugierig, wie es Anna ergeht. Trotzdem waren auch die Kapitel, die in Köln spielten sehr interessant zu lesen und irgendwie gehörten sie ja zur gesamten Handlung dieses Buches.
Die Protagonisten und auch alle weiteren Personen haben von Caren Benedikt wieder sehr interessante Charaktere erhalten.

Fazit:
Nach wie vor gefällt mir dieser Schreibstil und auch, wie eine Geschichte um die erfundenen Personen in wirklichen Geschehnissen eingearbeitet wurde. Dieses Buch möchte ich gerne den Lesern empfehlen, die historische Romane mögen, die nebenbei auch Spannung und Romanze beinhalten. Mit Sicherheit werde ich von Caren Benedikt noch weitere Bücher lesen.

Dieses Buch ist für mich ein weiteres historisches, in dem auch beschrieben wird, dass Frauen damals durchaus in der Lage waren, für ihren Lebensunterhalt selbst zu sorgen, wenn man sie dann liess.
Speziell Anna musste erste einige Abenteuer hinter sich bringen, bevor sie ihre Begabung einsetzen und einem geordnetem Leben nachgehen darf.


Ich danke den Droemer-Knaur-Verlag für das Rezensionsexemplar.

1 Kommentar:

Fabella hat gesagt…

Klingt sehr interessant, auch wenn historisch bei mir grad etwas hinten ansteht :)