Donnerstag, 21. Juni 2018

Autoreninterview Luzi van Gisteren

Treffen auf einer Buchmesse 


Liebe Luzi,
ich freue mich, dass Du Dich meinen Fragen stellst. Als erstes überlege ich ja immer, seit wann ich die Autorin kenne, die ich interviewen möchte.  Es kommt dann schon mal vor, dass ich das alles nicht mehr so richtig nachvollziehen kann, aber bei uns beiden weiß ich das noch ganz genau. März 2015 Buchmesse Leipzig, mein erster Messebesuch überhaupt und ich wollte einige Autoren, die ich bisher nur schriftlich kannte,  endlich kennen lernen. Ich hatte einer Lesung von Frieda Lamberti zugehört und anschließend wollten wir beide eine Tasse Kaffee trinken. Allerdings musste ich noch etwas warten, denn andere Leser wollten ihre Bücher signiert haben. Also wartete ich brav im Hintergrund und dort stand eine sympathische Dame mit der ich ins Gespräch kam. Das warst Du, ich stellte mich als Buchbloggerin vor und Du Dich als Autorin. Neu wurde ich neugierig und wollte wissen, welche Bücher Du geschrieben hast. Natürlich habe ich zu Hause dann sofort das erste Buch auf meinen Reader geladen und seitdem weitere Bücher von Dir gelesen.

Aber nun habe ich mich lange genug an der Vorrede aufgehalten und möchte mit meinen Fragen beginnen.


Ich habe irgendwo gelesen, dass Du Deiner Mutter als Kindergartenkind Geschichten diktiert hast. Gibt es davon noch Aufzeichnungen?

Oh….leider nein! Dabei würde ich diese so gerne nochmal lesen. Sie sind wohl einem Umzug zum Opfer gefallen. Aber ich weiß noch, eine Geschichte hieß: „Der Mund“. Meine Mutter muss unglaublich stolz gewesen sein. Nur so kann ich es mir erklären, dass sie diese fast JEDEM vorgelesen hat. Dennoch, es tut mir leid Ulla – die Welt wird sich wohl ohne „Der Mund“ weiterdrehen müssen.😉



Als 13jährige hast Du eine Teenager-Komödie geschrieben, gibt es diese Seiten noch?

Oh ja. Die gibt es noch. Meine beste Freundin hatte ein Exemplar – über 30 handgetippte Schreibmaschinen-Seiten. Vor etwa fünf Jahren hat sie sie mir zurückgeschenkt und ich habe sie jetzt digitalisiert.



Welche Gedanken kommen Dir, wenn Du an Deine früheren Ideen denkst.

Ich denke, dass das Geschreibsel gar nicht mal so schlecht war. Ich habe ja selbst einige Jahre an einer Jugend-Kunstschule „Kreatives Schreiben“ unterrichtet. Ich finde es toll, wenn man einfach aus dem Bauch herausschreiben darf. Es ist unglaublich, was sich einem Welten auftun können. Im Nachhinein denke ich mir – schade, dass ich nicht selbst „Kreatives Schreiben“ nehmen durfte, einfach aus dem Grund, weil es das Angebot in unserer Stadt nicht gab. Meine Lehrer im Gymnasium jedenfalls haben mich für meine durchschnittliche Seitenlänge von 15 Seiten / Aufsatz regelmäßig verteufelt. „Qualität vor Quantität“ ist ja auch ein Lernprozess.



Dann hast Du lange Jahre nichts geschrieben, bzw für die Schublade, wirst Du uns Leser damit mal erfreuen?

Oh, das weiß ich nicht. Wahrscheinlich würde ich viel umschreiben. Wenn mir die Ideen ausgehen, dann kann ich mir das vorstellen. Aber die Liste der Projekte ist noch lang…



Wie kam es dann, dass Du den Schritt wagtest und Bücher veröffentlicht hast?

Ehrlich gesagt, ich weiß es nicht mehr so genau. Ich habe jahrelang einem eng befreundeten Schriftsteller meine Erzählungen gegeben und er meinte „Weiter so!“. Aus Angst, abgelehnt zu werden, habe ich aber nie selbst etwas an einen Verlag eingeschickt. Es war so, dass ich vor vier Jahren durch Zufall vom Self Publishing erfahren habe und auf eine Plattform gestoßen bin. Meine Erstveröffentlichung „Keimfrei“ lag schon knapp 10 Jahre in der Schublade beziehungsweise auf der Festplatte. Es war ein ganz spontaner Entschluss, dass ich „Keimfrei“ hochgeladen und veröffentlicht habe. Die Reaktionen (zahlreiche Downloads und Leserfeedback) haben mich angespornt, weiterzuschreiben. Zuerst eine Novelle („Treffpunkt Rom“), dann mein erster Roman „Die Teufelin und ihr Kuckuck“.



Hast Du den Schritt zum Autor als Self Publisher mal bereut?

Nie! Für mich gibt es nichts Besseres.



Sicher hast Du als Kind dann auch gerne gelesen, wenn ja, kannst Du Dich an einige Bücher besonders gut erinnern?

Oh ja – das „Vamperl“ von Renate Welsh. Bei ihr hatte ich in den 80`ern meine erste Autorenlesung besucht. Nach dieser Lesung wusste ich: „Ich möchte auch Autorin werden“. Ansonsten eigentlich querbeet…. „Momo“ & „Die unendliche Geschichte“, „Der Trotzkopf“ & „Nesthäkchen“, „Ronja Räubertochter“ und „Mio, mein Mio“.



Du bist „nur“ nebenbei als Autorin tätig, wie lange schreibst Du dann an einem Buch?

Ziemlich genau ein Jahr dauert das bei mir. Ich hätte so gerne mehr Schreibzeit, aber man ist als Self Publisher ja auch mit so viel anderen Dingen beschäftigt (zum Beispiel Interviewfragen zu beantworten…grins)



Wann schreibst Du, schließlich hast Du Familie, Haushalt und Beruf zu vereinbaren.

Ich schreibe meist an zwei Abenden. Das klappt ganz gut. Am Wochenende wird nicht geschrieben, im Urlaub manchmal.



Woher kommen Deine Ideen?

Das ist unterschiedlich. Die letzte Idee kam mir bei der Besichtigung eines Weinkellers in Italien. Manchmal sind es auch nur kurze Begegnungen mit Unbekannten, in der U-Bahn zum Beispiel. Oft ist es aber so wie in einem Marionetten-Theater: Ich habe einen kleinen Anhaltspunkt und dann stehen die Figuren während des Schreibens selbst auf und beginnen zu tanzen….



Kann es vorkommen, dass Dir beim Schreiben eines Buches weitere Ideen einfallen oder konzentrierst Du Dich ohne Ablenkung immer auf das aktuelle Buch.

Nein, ich versinke tatsächlich in die Geschichte, in der ich bin. Nur dann muss ich manchmal aufstehen und eine Runde schwimmen gehen, damit es weitergehen kann.



Wer darf Dein Buch als erstes lesen?

Kannst du diese Frage nicht selbst beantworten, Ulla 😉

kleine Anmerkung von mir, Ulla am Rande, ich hatte schon öfter das Vergnügen, ein Buch vorablesen zu dürfen, was mich freut und auch ein bisschen Stolz macht


Du schreibst und das zitiere ich jetzt mit einem Augenzwinkern „Amüsant, ein bisschen schräg.. aber teuflisch gut!“
Dem kann ich zustimmen, aber meine Frage lautet jetzt, hast Du Dir schon mal Gedanken gemacht, in einem  anderen Genre zu schreiben?

Es gibt Überlegungen, ja.  Aber momentan fühle ich mich gut aufgehoben bei dem, was ich mache.




Deine Buchcover fallen in meinen Augen, etwas aus dem Rahmen, aber sehr angenehm. Da frage ich mich doch, erstellst Du sie selber bzw wie viel Mitspracherecht hast Du dabei.

Danke für das Kompliment. Die Cover mache ich selbst – ein weiterer Vorteil des Self Publishings, das ich selbst entscheiden kann. Aber ich frage im Vorfeld bei den Entwürfen immer im Freundes- und Bekanntenkreis rum, das ist ein eigner Prozess.



Du bist sehr aktiv bei Facebook, wie wichtig ist Dir der Kontakt zu Deinen Lesern?

Sehr, sehr, sehr.


Mich interessiert aber auch wie wichtig Dir der Austausch zu Kolleginnen ist, wenn ich richtig informiert bin, dann nimmst Du regelmäßig an einem Autorentreffen teil.

Auch diese Frage kann ich mit „sehr, sehr, sehr“ beantworten. Das erste Mal an der Buchmesse Leipzig 2015 war so beeindruckend. Ich möchte jetzt nicht zu pathetisch klingen, aber es fühlte sich irgendwie an wie „nach Hause kommen“.



Hast Du Autorenvorbilder?

Vorbilder weiß ich nicht. Es gibt einige Bücher, die mich in den letzten Jahren wirklich gefesselt haben. An dieser Stelle möchte ich keines hervorheben. Die Autorin, von der ich seit über 20 Jahren jedes Buch lese, ist Ingrid Noll. Da warte ich regelrecht drauf und lese es sofort am Stück, was für meine Lesegewohnheiten eher ungewöhnlich ist.



Wenn Du in die Vergangenheit reisen könntest, welchen Autor würdest Du dann gerne mal besuchen?

Erich Kästner.



Wie immer habe ich viele Fragen gestellt und bestimmt wieder etwas vergessen. Hier gebe ich Dir die Möglichkeit, uns Lesern etwas mitzuteilen, was Du uns immer schon mal sagen wolltest.

Liebe Leser, ich danke euch, dass Ihr euch eure Zeit für meine Bücher nehmt. Die Lesezeit ist oft rar – das Angebot an Büchern dagegen groß. Und so freue ich mich um so mehr, wenn Ihr mein Buch zur Hand oder auf den eBook-Reader nehmt. Und wenn Ihr mir dann noch mitteilt, dass euch mein Buch beim Lesen erheitert hat, so ist mir das unendlich viel wert.



Und nun kommt wieder die Stelle, wo ich alle Autoren fragen, was ihnen zu den Namen oder Begriffen einfällt:

Enid Blyton
Och nö. Aber ich gebe zu, ich hab`s verschlungen: Hanni und Nanni – jetzt ist es raus.


Astrid Lindgren
Wunderbar. Noch heute. Unsterblich.

Commissario Brunetti
Hubert und Staller mag ich lieber.



Liebe Luzi,
ich möchte mich vielmals dafür bedanken, dass Du Dir die Zeit genommen und meine Fragen beantwortet hast.




An dieser Stelle weise ich gerne auf die Bücher
der interviewten Autorin hin.
Stellvertretend für alle Bücher zeige ich hier
die Autorin mit einem ihrer humorvollen Bücher.

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